Autor:  Thomas Dunn

 

                    

                  Ich im Universum

 

Ich und Ich (Ich und Selbst)

 

„Am Anfang war hier nur das Selbst; es war wie ein Mensch. Es blickte um sich und sah nichts anderes als sich selbst. <Das bin ich>, war sein erstes Wort.  (Br.Up a.A. bei H. 53

 

Dieser Gedanke erinnert an die jüdische Schöpfungsgeschichte. Am Anfang war das Wort. Das Aussprechen des „Worts“ trennt, es trennt zwischen dem Aussprechenden und dem Ausgesprochenen, also entstehen aus einem Ding zwei Dinge, und es beginnt die Welt zu entstehen.

 

 

Auf einmal gibt es zwischen dem Selbst und dem, was es wahrnimmt, eine Zweiheit. Das „Selbst“ wie es oben genannt wird, erkennt sich, erkennt „Das bin ich“ und erschafft gleichzeitig etwas ausserhalb von sich selbst.


 

                                                 *

 

Dieser Urzustand der Schöpfung, der auch durch das chinesische Yin-Yang-Symbol dargestellt wird, kann man sich so vorstellen. Doch man gewinnt praktisch nichts dabei. Nicht wahr, wir wollen unsere aktuellen menschlichen Probleme lösen;  wir wollen nicht nur Anschauungen und Sinnbilder gewinnen.

 

Was suchen wir?

Wir suchen die Wahrheit über unsere Existenz.  Wir suchen unsere Identität, wir suchen unser Leben und die Gewissheit, dass wir über die Zeit des eigenen Körpers hinaus leben. Und dabei möchten wir nicht nur „irgendwie“ weiterleben, nicht schlecht weiterleben, sondern gut, womöglich besser als hier.

 

Die Fragestellung ist alt; eine Antwort zu finden ist nicht ganz einfach.

 

Zwar haben die Religionen (bzw. die Religionsstifter) alle etwas über diese Themen ausgesagt. Da die organisierten Religionen sehr alt sind und meistens zu sehr zweifelhaften Folgen geführt haben, ist ihre Glaubwürdigkeit in diesen wichtigen Dingen nicht gross. Viele Leute fürchten, dass sie betrogen werden, wenn sie einfach glauben, was da gesagt wird.

Nun ist es allerdings auch nicht nötig, einfach zu glauben, was da gesagt wird. Es kann jeder Mensch selber nachdenken und prüfen, ob etwas hoffnungsvoll wirkt, einleuchtend ist, sogar wahrscheinlich ist.

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Wir suchen den ewigen Zustand von uns selbst. Wir forschen danach.

 

Diese Unternehmung ist sehr naheliegend, die Fragestellung ist uns angeboren, weil wir Menschen eine Art Zwitterwesen sind zwischen Himmel und Erde. Die Fragestellung ist selbstverständlich, die Mittel der Erforschung der Wahrheit sind ebenfalls angeboren. Diese Mittel beruhen auf Folgendem:

 

Da ist die Tatsache unserer Existenz. Sodann gibt es die Tatsache der Tiefe in der Seele.  Es gibt im Seelenleben die Vertiefung und dann auch die Erhöhung.  Sodann ist so etwas wie DAS SELBST angeboren. Wir hätten von diesem Ding (oder dieser Idee) keine Spur in uns, wenn es nicht zugleich eine vorhandene Realität wäre.

 

DAS SELBST erscheint uns als perfekte Form unserer selbst, als vollkommene Form des eigenen Ichs. Kennt man sich als Ich, kennt man stets auch eine noch bessere Form dieses Ichs.  Man kennt die Vorstellung eines umfassenden, leuchtenden Ichs, bzw. einer erleuchteten und kraftvollen Form des eigenen Seins.

 

Dieser Leitvorstellung nachzuleben, wäre eine Erhöhung im Seelenleben. Die Vertiefung umgekehrt, die es im Seelenleben gibt, ist nicht die Sammlung auf eine Leitidee, sondern im Gegenteil ein Loslassen.  Dieses kann beim Einschlafen, in der Meditation, aber auch unwillkürlich erfolgen.

So kommen die Intuitionen zustande.

 

Selbstverständlich ist jedes Verstehen intuitiv. In diesem Gebiet hier verstehen wir durch logische Herleitung nichts. Das heisst: Es gibt keine logische Herleitung.

 

Der Weg der Wahrheitfindung ist hier das Berührtwerden.

 

Wo wir einen Schritt hin zur Wahrheit machen, werden wir von berührt.  Wir spüren es. Wir werden von dem berührt, was die Wahrheit ist.

 

Diese Wahrheit, die wir suchen, ist ja auch WIRK-lichkeit, und als Wirklichkeit ist sie eine wirkende Kraft.

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Wir sind nicht weit von den Anfängen der Schöpfung. Sie findet in uns statt.  Sie findet zwischen dem Selbst und dem Ich statt (unter anderem).

 

In diesem Sinn suchen wir Erlösung, suchen den Zustand unserer selbst, der zeitlos und umfassend ist.  Wir suchen das schöpferische Selbst als das Eigene.

 

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Ich bin ein Mensch, bin wach, habe einen Körper, habe Empfindungen und die Fähigkeit zu verstehen, die Fähigkeit zu wollen, und ich bin alles in allem eine Person, deren Zentrum das Ich ist. Ich sage „ich“  bei allem, was ich tue und erfahre. Aber ich muss das Wort "ich" nicht aussprechen, denn das Ich ist auch ohne ausgesprochen zu werden das Zentrum.

 

Das alles kommt vom Selbst her. Dieses Selbst ist das Ich.  Es ist nicht „auch“ ein Ich.  Es ist das Ich des Ichs, das reine Ich. Es ist das, was in den Körpern der Menschen zu Ich wird.

 

Wenn mein Körper langsam stirbt wegen des Alterns, mehr und mehr stirbt, und eines Tages ganz stirbt, dann geht das eigene Ich langsam Stück um Stück weg und zurück in das „wahre“ Ich.

Ich vergehe damit. Ich entschwinde aus dieser Welt, ich verlösche, aber das Ich, das mich Ich sein lässt, stirbt nicht, löscht nicht aus.  Es bleibt. Es ist ja auch nicht erst durch mein irdisches Dasein ins Leben gerufen worden, eher umgekehrt.

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Immer schon hat mein Ich (also ich) in Beziehung zu diesem anderen Ich (dem Selbst) gestanden.

Das ist das Eigene, ich bin mir selbst am nächsten, nichts ist mir näher als das  „Ich bin". Es ist bei allen Menschen gleich. Und es kommt bei allen Menschen vom Selbst her.

 

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Unsere Frage, welche das eigene Wesen betrifft und welche das Fortleben nach dem Körpertod betrifft, möchte eine Antwort: Gehe ich in ein grösseres Ich ein, das ich dann nicht mehr spüre, das ich nicht mehr als das Eigene erfahre? Ist das Selbst, welches wir spüren allenfalls etwas Unpersönliches?

 

Gehe ich in eine Art Brei oder Nebel ein?  in ein Prinzip, das zwar schöpferisch ist, aber nichts von menschlicher Wärme und Selbstliebe kennt?

 

Oder gehe ich mit dem Schwinden meiner Ichfunktionen in ein Ich über, welches mich in seiner Intensität und  seinen Funktionen übertrifft? Vergehe ich, aber vergehe ich zu einer besseren Form meiner selbst?

 

Lässt sich vielleicht das Ich von jetzt und das Bewusstsein steigern? Das wäre dann so, wie wenn ein glimmendes Licht zu einem leuchtenden Licht würde. 

 

Wenn die Erwartung so ist, und eine Verwandlung eine Ichheit von höherer Qualität meint, so könnte der Tod des jetzigen Ichs zusammen mit dem Körper nicht als Nachteil empfunden werden. Es wäre ein fast unglaublicher Gewinn. Und trotzdem fällt das Loslassen des jetzigen Lebens und des jetzigen Wissens schwer.

 

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Bei  letzten Dingen sollte man eigentlich überhaupt nicht mehr denken, denn Denken fasst tief liegende Angelegenheiten niemals. Glauben, Hoffen, Lieben (ganz ohne Verstand) könnte mehr Trost spenden, vor allem, wenn man das Richtige glaubt, erhofft, liebt. Mit dem Nachdenken an die grossen Fragen des Lebens heranzutreten, kann daher nur Vorbereitung sein. Nachdenken kann zwar auch in Meditation übergehen, und dann werden tiefere Regionen erreicht. Ausserdem gibt es im Zusammenhang mit den "letzten Fragen" ab und zu auch Eingebungen und Einsichten, die spontan zustandekommen, ganz ohne den Verstand.

 

So etwa ist mir ausgehend von der Erfahrung des Altwerdens und des Abnehmens der Körperkräfte bewusst geworden, dass ich eigentlich gar nicht existiere.

 

Es ist mir plötzlich, intuitiv klar geworden, dass die andere Seite von mir -- welche hier Selbst genannt wird -- die bleibende Wirklichkeit ist, aber nicht ich (als der, der hier lebt).

 

Wenn meine Ichheit durch Abnehmen der Körperkräfte und im Sterben, schrumpfen kann, wenn also meine Fähigkeiten, meine Wahrnehmungen, Wünsche und Bewusstheiten schrumpfen können, vergehen können, dann sind sie nie etwas gewesen. Dann sind sie nie etwas Eigenes gewesen,

nie etwas gewesen, das aus sich selbst etwas ist.

 

Es ist einfach nur vergänglich, sterblich, temporär vorhanden.

Also bin ich gar nie ein eigenes Wesen gewesen.  Zwar ein Individuum, aber eigentlich nicht real. Kein reales Wesen, weil ich kein Wesen von bleibender Substanz bin.

 

Und wahrscheinlich ich bin auch kein Wesen mit einem über den Tod des Körpers hinaus reichenden Fortleben, folgerte ich daraus. Es lebt fort, ich nicht, lautete die Formel.

 

Es war eine gute Erkenntnis. Ich fühlte: Wenn mein Ich , welches mir so nah ist, dahingehen wird in etwas Anderes hinein, welches eigentlich das wahre Ich ist, dann ist es gut. Es geht in dieses andere Ich hinein zurück, weil es aus diesem anderen Ich hervorgegangen ist. 

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Diese schöne Erkenntnis betrifft also die Art des Fortlebens. Da ist ein Leben, ein selbstisches Leben, das ist wohl ohne Anfang und Ende, im Vergleich dazu existiere ich nicht wirklich, das Ich des jetzigen Lebens ist nicht so wirklich, es ist gewissermassen nur abgeleitet von jenem anderen, welches wie ein LICHT ist. 

Damit sind die Verhältnisse zwischen Licht und Abglanz geklärt. 

Kommt nun der Tod eines Menschen, so wird der ichhafte Abglanz, der ein Mensch gewesen ist, im Umkreis des ursprünglichen Lichts sein. Die nächste Frage ist jetzt, wieweit der Abglanz vom Licht absorbiert wird. Geht ein menschliches Ich in seiner Individualität und seinem Eigenbewusstsein unter, geht es ein ins Selbst (ins Leben)? Oder bleibt es als ein "Abglanz" erhalten? Behält es im Umkreis der eigenen Quelle ein Eigendasein? 

Hört man sich herum -- auch in der Literatur -- dann bejahen das alle. (Es gibt zwar schon krampfhafte Nihilisten, die es bis zuletzt nicht fassen WOLLEN.)

Demgemäss würde gelten, dass Menschen, die gestorben sind, aus dem grossen Ich (Selbst) heraus noch weiterhin das ehemalige Ich sein können. Sie können weiter machen. Sie können, aber sie müssen nicht.

 

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Dass Verstorbene noch weiter leben, wird von vielen Leuten gespürt. Nur schon dadurch wird ein persönliches -- also begrenztes -- Weiterleben nach dem Tod sozusagen bewiesen. Da das Selbst eine universelle Grösse ist -- wie Gott -- ist ein Weiterleben in "abgeleiteter" Ichform plausibel, genauso wie unser jetziges Leben in einer "abgeleiteten" Ichform ja auch existiert und in keiner Hinsicht von uns erklärt werden kann. Jedenfalls glaube ich nicht, dass jemand eine bessere Erklärung liefern kann als ich es hier mache.  

 

Das andere ist das Erlöschen im Selbst.

Das wäre dann eine Entwicklung, die von der alten Form und den ehemaligen Inhalten wegführt. Vielleicht ist das eine Auflösung, ein Zurückfliessen. (Das ist eher die indische Heilsvorstellung.)  

 

Aber es wird nie ein Auslöschen ohne Spuren, ohne Keime, geben.

 

Das, was hier Selbst genannt wird, ist die Quelle des Lebens, ist mein Leben jetzt, ist das Leben aller Leute. Es enthält also wahrscheinlich sogar JEDES Ich, jede Möglichkeit einer irdischen Ichheit.

Meinetwegen kann es auch ein spurloses Verlöschen geben, doch was einmal war (ein Individuum) bleibt in diesem grossen Ich (Selbst) immer enthalten, Spur hin oder her.

 

Allerdings gibt es wohl keinen Stillstand. Verstorbene Seelen machen eine Entwicklung durch, sagt man. Wenn das stimmt, dann wird klar, dass das Interesse der „verstorbenen“ Seelen mit der Zeit nicht mehr gross sein kann, noch einmal die alte, gewesene Form anzunehmen.

 

Die Toten gehen weiter weg, sagt man.

 

Und zu Leben kommen wieder andere Persönlichkeiten.

Leben kommt immer neu.

  

 

                    Es gibt mich nicht.  Es gibt das Ich.

 

Das Ich in mir existiert wirklich. Ich existiere nicht wirklich. (Das war das Leitmotiv.)

 

Aus dem Selbst können Milliarden von Ichs hervorgehen, aber diese existieren alle nicht wirklich, nicht aus sich selbst, sie sind alle von den Körpern abhängig und diese ihrerseits von allerlei.

 

Alle Ichs des Menschen sind aus dem Selbst entstanden und sind selbst nichts.  Alle sind abhängig von anderen Kräften, wie sie in der Welt wirken und das Entstehen und Vergehen von lebendigen Körpern schaffen.

 

So bin ich hier in einem Körper anwesend, der zu dieser Zeit an dieser Stelle sitzt. Aber anwesend bin eigentlich gar nicht ich.

Es ist das andere Ich, das grosse Ich, welches erschafft, welches begrenzte Formen von Bewusstsein schafft, das Ich spendet in Milliarden von Ichheiten.

 

                                                 *

 

Diese Studie ist „egozentrisch“ insofern als sie von innen her ausgeht und das Wort Ich ins Zentrum stellt.

Der Mensch möchte sein eigenes Bewusstsein erhalten und so eine Kontinuität gesichert haben über den Tod hinaus. Ich versuchte in dieser Studie zu zeigen, dass es etwas Besseres gibt als die Kontionuität 1:1. Wenn die Verwandlung des äusseren Ichs in das innere Ich möglich wäre, dann könnte das äussere Ich langsam vergehen, sich auflösen. 

Wenn ich mich infolge Alterns (und wohl auch im Sterben) mehr und mehr vom Körper lösen kann, bleibt das Wesentliche erhalten, nämlich das Leben. Dieses liegt weniger im Körper und seinem Stoffwechsel als im Gefühl zu sein und zu leben. 

 

Das wäre gleichsam der erste Teil von "Ich im Universum"

Jetzt folgt ein zweiter Teil, in welchem die Thematik auch durch Stellen aus der Literatur beleuchtet wird.

 

 

 

Ausweitung der Studie,  Parallelen, Gott, Jesus-Worte

 

 

 Ich erlebe mein Leben. Wer macht das Erleben?

 

-- das Selbst ist der Erleber meines Lebens. Das Selbst breitet sich in mein Leben hin aus.

 

Und so bin ich nicht nur ein Beteiligter, sondern auch der Zeuge der Ereignisse.

 

Es ist ein grösseres Ich als meines, welches in mir diese Umwelt hier erlebt, welches in mir dieses Schicksal erlebt, diesen Lebenslauf durchmacht, die Welt von jetzt sieht. Mit all dem dringe ich in mein Leben ein = in die Welt ein.

 

 

 Ein Bild

 

Das Selbst kann mal in dieser, mal in jener Farbe aufleuchten, so wie es bei gewobenen Stoffen der Fall sein kann. Und der Mensch wäre im Gewebe ein Stück des Gewebes, ein Muster darin. Das, was Licht ist, das was Gewebe ist, und wie das einzelne Muster darin leuchtet, sind die Elemente. Daraus wird dann ein Individuum, ein „Mensch“.

 

Bei diesem Bild lässt sich einsehen, dass der Mensch das Absolute sehr gut sein kann in der Substanz. Da er aber nur lokal lebt, hat er nicht den Überblick. Der Mensch gleicht in diesem Bild einer Falte im kunstvoll gewobenen Stoff eines Kleids oder einem Muster an der Falte. Er IST ein Muster im Gewebe und an dessen Falte und hat Teil am Universum, aber er kann nicht ein anderes Muster sein (etwa ein anderer Mensch), auch wenn dieses gleich daneben ist, er kann nicht die Farbe annehmen, die neben ihm leuchtet, er kann nicht der Saum des Kleids, nicht der Zuschnitt des Kleids sein. Er ist nur das eine Muster. Und dennoch gehört er zum „Ganzen“ und ist „aus Allem“, denn die einzelnen Fäden gehen im Gewebe des Kleids ganz von oben nach unten und quer durch. Und das Kleid ist die Welt.

Auf dieses Gewebe leuchtet das Licht des Absoluten und bewirkt , dass all die vielen Einzelheiten des Kleids „ans Licht“ kommen.

 

Dieses Bild mag ein wenig klar machen, wie der einzelne Mensch an einer Stelle des „Weltkleids“ aufleben kann. Das Bild erklärt leider nicht, wie der Mensch dazu gelangt ist, genau an dieser Stelle des Kleids zu sein: erklärt nicht die Geburt, Ort und Zeit. Und das Bild erklärt nicht, wie der Mensch letztlich wieder aufhört ein Muster im Gewebe zu sein, und wieder aufhört in dem Weltmuster zu existieren.

 

 

 

Lehren über das Ich und das Selbst

 

„Nun lautet die Lehre in bezug auf das <Ich>: das Ich ist unten, oben ,  im Westen, Osten, Süden, Norden : das Ich ist die ganze Welt.“  Chandogya-Upanischad, H., S.120

 

 

„Die Seele der Geschöpfe ist eine Einheit, nur von Geschöpf zu Geschöpf verteilt; eine Einheit und Vielheit zugleich, wie der Mond sich in vielerlei Gewässern spiegelt.

Die mannigfachen Formen sind wie ein Gefäss. Das Gefäss kann immer wieder zerbrochen werden; es weiss nichts davon, wenn es zerbrochen ist. Aber ER weiss davon beständiglich.

Solange die Seele von der Maya (Täuschung) der Worte umhüllt ist, weilt sie im Lotus des Herzens. Wenn aber die Dunkelheit weicht, nimmt sie die eine Einheit wahr.“ Brahmabindu-Up., H., S.220   

 

 

Das Ich leuchtet, das Selbst leuchtet: Es leuchtet und ist damit etwas sehr Einfaches.

 

Etwas leuchtet in die gesamte Welt herein, und die Welt wird dabei täglich neu erschaffen, die Welt und alle Dinge erhalten in jedem Moment ihre Tatsächlichkeit, ihr Sein, ihre Identität. Im Menschen ist dies eine wissende „Ichheit“, bei Tieren schwächer, sie haben weniger Bewusstheit. Dennoch denke ich, dass sie von einem Ich-Bewusstsein „gesehen“ werden, von einem Bewusstsein, welches diese Tiere erschafft. Das Gleiche wird bei Pflanzen der Fall sein. Sie denken nicht so wie wir Menschen, aber sie haben eine Seele.  In jeder Pflanze ist ein Lebenswillen, ein geistiger Plan, ein Geist, ebenfalls ein Selbst.

 

Die ganze Natur ist ein sinnvolles Gewebe, ein Gebilde mit Sinn und Zusammenhang.

Es muss einen Zusammenhang stiftenden Geist geben. Einen Willen. Atome und Moleküle sind nicht tot und sind nicht allein auf der Welt. Sie sind von einem Bewusstsein „gesehen“, vielleicht sogar gezielt gemacht worden und werden zu ihrer Art „belebt“ und zu ihrer Existenz gebracht.

 

Ob es ein Ich-Bewusstsein ist, welches lebt? auch in der sogenannt „toten Materie“? 

 

„-- Es ist dein Selbst, das allem innewohnt.

-- Was für eines ist das, Yanjavalkya, das allem innewohnt?

-- Nicht kannst du den Seher des Sehens sehen, nicht den Hörer des Hörens hören, nicht den Denker des Denkens denken, nicht den Erkenner des Erkennens erkennen. Das ist dein Selbst, das allem innewohnt.“  Brihadaranyaka-Upanischad. H., S.64

 

Dieses SELBST (oder ICH) ist Licht.  Es ist unteilbar wie das Licht. Und wie Licht überall Licht ist, ist Licht doch nicht überall gleich hell.

So hat der Mensch ein Licht erhalten, und er hat eine gewisse Schöpferkraft erhalten. Er hat Bewusstsein erhalten. Aber da ist noch das richtige Ich, davon sind wir nur ein Spiegel.

 

Es durchdringt das Universum, und wir sind davon ein Spiegel oder eine Folge.

 

 

Wenn es sprechen würde...

 

Alles ist mir lieb.

 

Ich bin das Innere des Moments.

Ich bin substanzlos.
Ich bin gegenstandslos.

 

Wo ein Körper lebt, habe ich einen Ort.

einen Standort und einen Ausblick: einen Gesichtskreis.

 

Ich BIN das Leben, und so entstehen die Dinge,

 

Alle Menschen haben dieselbe Inwendigkeit: MEINE.

 

Alles ist von mir.

Und ich bin alles.

Der Mensch findet mich durch Liebe zu mir:

Es ist die Liebe, die er zu sich selbst hat.

 

 

... und wie verhalte ich mich?

 

            „In sich selbst hinabtauchen in die Tiefe seiner selbst, sein eigenes Ich vergessen.  Sich verlieren im AHAM (Ich) Gottes, das im Ursprung meines Seins ist und des Bewusstseins, dass ich bin ... nicht ich erreiche den Grund, der Grund selbst offenbart sich, indem er dieses „Ich“ vernichtet. Ich kann nur untergehen, aber wenn ich untergehe erwache ich: resurrexi et adhuc tecum sum.“

(aus Psalm 139, 18 -- die lateinische Stelle wird leider überstrapaziert)  Le Saux , Die Spiritualität, S.12

 

Es heisst in den Upanischaden: Nur das vollkommen reine und freie Ich kann durchstossen zu dem grossen, göttlichen Ich - aham -, bzw. kann seine Identität mit ihm entdecken. (Bäumer, Befreiung S.140) 

 

Es bleibt, wenn man sich aus allem zurückzieht, allein übrig.

 

 Der Mensch denkt: die Umstände, seine Zeit, das Land, die Stadt, seine Lage, seien real.

Aber in Wirklichkeit ist es so:

ICH bin nicht die Umstände, nicht das Land, die Stadt, nicht die Situation. 

Epochen, Entwicklungen, Meinungen, Wahnzustände, Moden und innere Zwänge: Davon wurde ich ergriffen. Aber das alles bin ICH nicht.

                                                 *

 

Ich habe Planeten und Sonnen erschaffen. Die Planeten und Sonnen bin aber nicht ich. Sondern ich bin lebendig in ihnen und darin gegenwärtig. Ich bin gegenwärtig in allem. Das bin ICH.  Ich bin gegenwärtig in dir als ICH und ausserhalb von dir als WELT.

 

Ich habe keinen Ort. Ich habe alle Orte.

Solange du lebst, habe ich einen Ort in dir, Mensch.

Gleichzeitig auch woanders, nämlich überall.

ICH bin in deinem Empfinden der Empfindende.

Ich bin in deinem Erkennen der Erkennende. 

Und ich bin das, was erkannt wird.

 

                                                                      *

 

 

 Man soll über den Atman allein als die Liebe meditieren. Wer über den Atman allein als Liebes meditiert, der verliert nicht, was er liebt. (Befreiung zum Sein, S.144)  Brihadaranyaka

I, 4, 8)

 

„Nur den Atman soll er als die Welt verehren.“ S.57 H

 

 H., S.151:

Nicht nach der Rede soll einer fragen, sondern den erkennen, der redet; nicht nach dem Geruch, sondern den erkennen, der riecht; usw.

-- den erkennen, der Speis und Trank empfindet

-- den erkennen,  der tut, der versteht, fühlt, geht

 

 

Diese Erkenntnisse erfolgen aus der Liebe zum Höheren.

Umgekehrt kann nur Liebe mit sich bringen, dass der Mensch sich zu Lebzeiten mit dem Höheren verbindet und vereinigt.

Das Lieben eröffnet das eigene Wesen. Liebe ist wie eine Substanz:  Ist sie da, zeigt sie die Gegenwart des Höheren an.

 

Das Selbst ist Liebe. Hier ist Liebe eine Substanz, eine Kraft  von jener „anderen Seite“ her, bzw. vom wirklich lebenden Wesen her, dessen Spiegel wird sind.

 

 

Christusworte:

 

Zum Schluss möchte ich einige Stellen aus der Bibel zitieren, welche ich in diesem Zusammenhang besser zu verstehen glaube. Wenn ich die Verse ein wenig verändere, habe ich möglicherweise ihren Sinn nicht verändert.

 

Das ICH kommt in den Evangelien ab und zu zur Darstellung. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ würde ich besser in der Form verstehen: Das ICH ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

 

Ich frage mich, ob die Sprache der Bibel (oder deren Übersetzung) in der heutigen Zeit noch angemessen ist. Ich denke, dass das, was Jesus an diesbezüglichen Aussagen zugeordnet wird, möglicherweise anders geklungen hat damals, oder schon damals nicht verstanden worden ist und falsch wieder gegeben worden ist.

 

Jesus soll da sein Ego überhöht und quasi auf die Gottesebene gestellt haben. Das stört mich nicht, ich halte es für richtig. Aber es stört mich, wenn diese Gaben als Exklusivität von Jesus dargestellt werden. Es kommt zu wenig zum Ausdruck, dass diese Aussagen für alle Menschen gelten.

 

Und so würde ich meinen, dass einige Sätze in den Evangelien, die „christologisch“ genannt werden, der Interpretation bedürftig sind. Dann können sie einen besseren Sinn machen.

 

Jesus braucht in den betreffenden Sätzen das Ich. Mir persönlich würde es dabei besser einleuchten, wenn er das Selbst damit meinen würde.  Das Selbst ist die Stufe von Ichheit, die allen gemein ist und damit auch über der äusseren Person von Jesus steht (nicht aber über seiner inneren).

 

Wenn das richtig ist, dann beziehen sich diese Sätze nicht nur auf Ihn als Drittperson,  sondern auf alle Menschen.

So würden seine Selbstaussagen auf einmal gültig für alle Menschen und auch verbindlich für alle Menschen, die glauben und verstehen, was er sagt.

 

Wenn man die Sätze in diesem Sinn verändert, entsteht folgendes:

 

 

Bei Johannes:

-- Das Selbst ist das Brot des Lebens.  6-35

--- In mir  ist das Licht der Welt.   8-12

-- Mein Selbst und Gott sind eins (nach „ Ich und der Vater sind eins.“  10-30)

 

 

-- Im Selbst ist die Auferstehung und das Leben.  11-25

 

 

-- Mein Selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zu Gott ausser durch das Selbst. (von „-- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben;  niemand kommt zum Vater ausser durch mich.  14-6)

 

 

-- Wer das Selbst gesehen hat, hat den Vater gesehen. 14- 9   (oder auch die Mutter)

 

 

Ich muss es nicht jedes Mal die Wörter ersetzen. Diesmal noch:

 

 

-- Glaubt mir, dass ich im Selbst (hier gleich Gott) bin und Gott (oder das Selbst) in mir ist.    14-11

 

 

-- Wenn mich jemand liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.  14-23

 

 

-- Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. 15, 4

 

                                                              *

 

Damit schliesse ich meine heutige Studie über das universelle Ich, das hier und überall ist.

Es ist das Leben. 

 

 

 

 

Bibliographie:

 

Hillebrandt, Alfred :  Upanishaden,  2.Auflage 1978,  Diederichs  (siehe unter H)

 

Henri Le Saux :  Die Spiritualität der Upanishaden,  Der Weg zum Anderen Ufer,  Diederichs

 

Henri Le Saux:   Wege der Glückseligkeit, Kösel

 

Bettina Bäumer : Befreiung zum Sein.  Auswahl aus den Upanishaden, Benziger

 

Zürcher Bibel

 

 

 

Version Dez.2007, rev.Sept2008

Hauptseite www.dunn.ch