Autor: Thomas Dunn
DAS SELBST INMITTEN VON SPUK
Gott
im Universum
Gott als Ich und als Selbst in der Zauberwelt
„Am Anfang war hier nur das Selbst; es war wie ein Mensch. Es blickte um sich und sah nichts anderes als sich selbst. Das bin ich>, war sein erstes Wort. (Brihadaranyaka-Upanischade bei H. 53)
Vor dem Akt des Erkennens war hier nur das Selbst; es war wie ein Mensch, heisst es.
Nun kommt es aber zur Wahrnehmung, zur Spiegelung und zum Erkennen. Und nun sind auf einmal zwei Dinge da. Da ist ein Erkennender und da ist das Erkannte.
Das „Selbst“ wie es oben genannt wird, erkennt sich, erkennt „Das bin ich“ und spaltet sich in ein Inneres und in ein Äusseres auf.
So lautet eine der Schöpfungsgeschichten.
Was im Ursprung ist, weiss man nicht. Gott, das Dao. Man kann sich davon keine Vorstellung machen. In der oben erwähnten Upanischade steht immerhin „…das Selbst; es war wie ein Mensch…“.
Nun: Und daraus heraus also, aus diesem Selbst heraus, entsteht die Schöpfung. Entsteht alles, was ist.
Dabei ist, das was AM ANFANG war, nicht verloren gegangen. Das Selbst bleibt Selbst, auch wenn es „erkennt“. Es bleibt Selbst, auch wenn es sich selbst in einem Prozess des Erkennens erlebt.
In der Bibel wird vom WORT gesprochen, welches ausgesprochen werden muss, damit etwas in der Welt zur Entstehung gelangt. Es sind Zauberworte. Gott ist ein Zauberer, der durch Worte ein Hirngespinst entstehen lässt, welches wir als „die“ Schöpfung betrachten.
Aber auch hier ist der Gott, der Zauberworte ausspricht für den ganzen Spuk namens Universum, nicht fort. Gott ist nicht in der Vergangenheit untergegangen.
Die Welt besteht aus Selbst, auch wenn dieses Selbst nun alles erkennt, was existiert. Der Gott, der einen ANFANG machte, ist trotz Weltengetümmel, welches er los gelassen hat, noch immer der Gleiche.
*
Wenn ich als Mensch solche Dinge wissen oder besser ahnen kann, so liegt das daran, dass dieser Gott in mir anwesend ist. Oder anders gesagt: Es ist nicht zu bestreiten, dass der Mensch ein Selbst hat.
Das Selbst ist verliehen. Es ist jedem Ding seine Eigenheit verliehen. Im Menschen ist es jedoch etwas anders als in einem unbelebten Gegenstand. Im Menschen kann das Selbst, welches verliehen ist, sich selbst erkennen, kann von sich selbst wissen, kann auch von der Umgebung wissen, kann seine eigene Erscheinung kennen und die Geschichte der eigenen Erscheinung.
Das Selbst ist „wie ein Mensch“, aber umgekehrt und richtiger muss man sagen, das Selbst ist im Menschen der Mensch.
Es geht nicht um einen Streit um Worte. Es geht darum, dass das Selbst im Menschen anwesend ist als Essenz des Menschen, und diese wiederum könnte man die innerste Identität und die eigenste Form von Persönlichkeit nennen, die der Mensch hat (und ist).
Das alles nennen wir ICH. Wenn wir das Wort ICH aussprechen.
*
Ich vermute, dass die ganze Welt von einer PERSON ausgeht.
Wir können nicht von dem nebulösen Gottsein Gottes und von dem aseptischen Selbst sprechen und vergessen, dass das lebendige Dinge sind, die unser Wesen ausmachen.
Genauso wie wir eine Person haben, hat es eine Person. Genauso wie wir ein Ich haben, hat es ein Ich.
Wir sind eine abgeleitete Form von diesem Gott, dem Schöpfer und Selbst.
SEINE Art von PERSONSEIN ist nach wie vor unvorstellbar.
Vielleicht ist Gott nichts anderes als ein Spukerzeuger und ein Wahnerzeuger und nichts ist wahr an der Welt.
Und dennoch ist es das, wovon wir ausgehen und wohin wir eingehen.
Sogar wenn wir selbst und unser ganzes Leben nur ein Spuk ist, werden wir wieder in die Ursache des Spuks eingehen.
Das ist das , was man aus der Tatsache , dass es AM ANFANG ein Selbst gibt oder eine Person gibt,
ableiten muss! Wenn da ein Wesen existiert, das durch seine Zaubersprüche den Weltenspuk entstehen lässt, und auch die Geschichte von menschlichen Leben entstehen lässt, dann ist klar, dass jeder Mensch wieder zurückkehren wird in die Quelle seiner selbst.
Es ist eine PERSON und – bildlich gesprochen – nimmt diese Person jeden Menschen mit offenen Armen zu sich.
Jetzt und in der Stunde unseres Ablebens.
*
Lehren
über das Ich und das Selbst
„Nun
lautet die Lehre in bezug auf das <Ich>: das Ich ist unten, oben ,
im Westen, Osten, Süden, Norden : das Ich ist die ganze Welt.“
Chandogya-Upanischad, H., S.120
„Die
Seele der Geschöpfe ist eine Einheit, nur von Geschöpf zu Geschöpf verteilt;
eine Einheit und Vielheit zugleich, wie der Mond sich in vielerlei Gewässern spiegelt.
Die
mannigfachen Formen sind wie ein Gefäss. Das Gefäss kann immer wieder
zerbrochen werden; es weiss nichts davon, wenn es zerbrochen ist. Aber ER weiss
davon beständiglich.
Solange
die Seele von der Maya (Täuschung) der Worte umhüllt ist, weilt sie im Lotus
des Herzens. Wenn aber die Dunkelheit weicht, nimmt sie die eine Einheit wahr.“
Brahmabindu-Up., H., S.220
Das Ich leuchtet, das Selbst leuchtet: Es leuchtet und ist damit etwas sehr Einfaches.
Etwas leuchtet in die gesamte Welt
herein, und die Welt wird dabei täglich neu erschaffen, die Welt und alle Dinge
erhalten in jedem Moment ihre Tatsächlichkeit, ihr Sein, ihre Identität.
Da ist keine Trennung. Ich habe eine
Person, und rundherum ist eine Person von noch ganz anderen Qualitäten. Es ist
die gleiche Person, wie ich sie habe, nur vollständig, einfach ganz.
Auch in Tieren ist dasselbe. Aber
Tiere sind in der Spiegelung ihrer selbst unbewusst. Sie spiegeln dasselbe,
aber wissen nicht davon. Gott weiss, wie sie ihn spiegeln und wiedergeben. Er
ist auch im Tier und auch in der Pflanze.
„--
Es ist dein Selbst, das allem innewohnt.
--
Was für eines ist das, Yanjavalkya, das allem innewohnt?
--
Nicht kannst du den Seher des Sehens sehen, nicht den Hörer des Hörens hören,
nicht den Denker des Denkens denken, nicht den Erkenner des Erkennens erkennen.
Das ist dein Selbst, das allem innewohnt.“ Brihadaranyaka-Upanischad. H.,
S.64
Es durchdringt das Universum, und wir gehören dazu, sind dasselbe, auch wenn unsere Spiegelung und unser Wissen nur wenig umfasst.
Wenn
es sprechen würde...
Alles ist mir lieb wie eine
Spielsache.
Ich bin auch im Inneren eines
Moments nicht erkennbar.
Mein Wesen ist persönlich.
Ich BIN das Leben, und so entstehen
die Dinge,
Alle Menschen haben dieselbe
Inwendigkeit: MEINE.
Alles ist von mir. Und ich bin
alles.
Der Mensch findet mich durch Liebe,
so wie ich alle Dinge und jeden Menschen liebe.
Es gibt nur EINE Wirklichkeit,
meine.
...
und sollen wir vor dem eigenen Absterben noch etwas tun? Vielleicht, um uns zu
beruhigen?
„In sich selbst hinabtauchen in die Tiefe seiner selbst, sein eigenes Ich
vergessen. Sich verlieren im AHAM (Ich) Gottes, das im Ursprung meines
Seins ist und des Bewusstseins, dass ich bin ... nicht ich erreiche den Grund,
der Grund selbst offenbart sich, indem er dieses „Ich“ vernichtet. Ich kann nur
untergehen, aber wenn ich untergehe erwache ich: resurrexi et adhuc tecum sum.“
(aus Psalm 139, 18 -- die
lateinische Stelle wird leider überstrapaziert) Le Saux , Die
Spiritualität, S.12
Es heisst in den Upanischaden:
Nur das vollkommen reine und freie Ich kann durchstossen zu dem grossen, göttlichen Ich - aham -, bzw. kann seine Identität mit ihm entdecken. (Bäumer, Befreiung S.140)
Der Mensch denkt: die Umstände, seine Zeit, das Land, die Stadt, seine Lage, seien real.
Aber in Wirklichkeit ist es so:
ICH bin nicht die Umstände, nicht das Land, die Stadt, nicht die Situation.
Epochen, Entwicklungen, Meinungen, Wahnzustände, Moden und innere Zwänge: Davon wurde ich ergriffen. Aber das alles bin ICH nicht. Ich bin ein SELBST. Ich gehöre zu jener PERSON.
*
Ich habe Planeten und Sonnen
erschaffen. Die Planeten und Sonnen bin aber nicht ich. Sondern ich bin
lebendig in ihnen und darin gegenwärtig. Ich bin gegenwärtig in allem. Das bin
ICH. Ich bin gegenwärtig in dir als ICH und ausserhalb von dir als WELT.
Ich habe keinen Ort. Ich habe alle
Orte.
Solange du lebst, habe ich einen Ort
in dir, Mensch.
Gleichzeitig auch woanders, nämlich
überall.
ICH bin in deinem Empfinden der
Empfindende.
Ich bin in deinem Erkennen der
Erkennende.
Und ich bin das, was erkannt wird.
*
Man soll über den Atman allein als die Liebe meditieren. Wer über den
Atman allein als Liebes meditiert, der verliert nicht, was er liebt. (Befreiung
zum Sein, S.144) Brihadaranyaka
I,
4, 8)
„Nur
den Atman soll er als die Welt verehren.“ S.57 H
H.,
S.151:
Nicht
nach der Rede soll einer fragen, sondern den erkennen, der redet; nicht nach
dem Geruch, sondern den erkennen, der riecht; usw.
--
den erkennen, der Speis und Trank empfindet
--
den erkennen, der tut, der versteht, fühlt, geht
Das Lieben führt zum eigenen Wesen.
Das Selbst ist Liebe. Mit der Liebe zu Gott ist die Liebe zum eigenen Wesen und zur eigenen Identität gemeint.
Christusworte:
Zum Schluss möchte ich einige Stellen aus den Evangelien zitieren und abändern im Sinn von Vorschlägen für ein besseres Verständnis. Jesus wird stets als grosser Selbstdarsteller geschildert.
Bei seinen Aussagen über sich vermute ich, dass er den Menschen überhaupt gemeint hat, nicht nur sich selbst.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ würde ich besser in der Form verstehen: Mein Innerstes (Selbst) ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Die Sätze in den Evangelien, die „christologisch“ genannt werden, können sinnvollerweise nicht eine Selbstvergötzung meinen, sondern sollten eher auf die Existenz der PERSON Gottes überhaupt hinweisen.
Jesus braucht in den betreffenden Sätzen das Ich.
Ich denke, er meint das Ich über dem Ich, nämlich Gottes Ich. Dieses ist im Menschen als Weg und Gewissheit vorgezeichnet.
Wenn man die Sätze in diesem Sinn verändert, entsteht folgendes:
Bei Johannes:
-- Das Selbst ist das Brot des
Lebens. 6-35
--- In mir (im höchsten Wesen)
ist das Licht der Welt. 8-12
-- Mein Selbst und Gott sind eins (nach „ Ich und der Vater sind eins.“ 10-30)
-- Im Selbst ist die Auferstehung
und das Leben. 11-25
-- oder auch: In der Person Gottes …..
-- Mein Selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zu Gott ausser durch das Selbst. (von „-- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich. 14-6)
-- Wer das Selbst gesehen hat, hat den Vater gesehen. 14- 9 (oder auch die Mutter)
Ich muss es nicht jedes Mal die Wörter ersetzen. Diesmal noch:
-- Glaubt mir, dass ich im Selbst (hier gleich Gott) bin und Gott (oder das Selbst) in mir ist. 14-11
-- Wenn mich jemand liebt, wird er
mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen
und Wohnung bei ihm nehmen. 14-23,
Hier geht es erneut um die Vision
von Gott als Person. Und das könnte man so übersetzen:
Wer sich selbst als höhere Person liebt, wird mit sich selbst und den göttlichen Gesetzen eins sein, und wird sich inspiriert und geborgen und eins fühlen… oder so ähnlich.
-- Bleibt in mir, und ich bleibe in
euch. 15, 4
-- Bevor Abraham ward, bin Ich. Joh. 8,58
*
Damit schliesse ich diese Studie über das Ich, das Selbst und das universelle Personsein ab.
Bibliographie:
Hillebrandt, Alfred :
Upanishaden, 2.Auflage 1978, Diederichs (siehe unter H)
Henri Le Saux : Die
Spiritualität der Upanishaden, Der Weg zum Anderen Ufer, Diederichs
Henri Le Saux: Wege der
Glückseligkeit, Kösel
Bettina Bäumer : Befreiung zum
Sein. Auswahl aus den Upanishaden, Benziger
Zürcher Bibel
Version Nov. 2011
Hauptseite www.dunn.ch