Autor:   Thomas Dunn 

 

 

 

Z E I T

 

Ist Zeit das göttliche Wirken?

 

Kann die Gegenwart der Zeit als Gottesbeweis gelten?

 

Der Sportler trainiert, der Musiker übt. Wer hier Leser ist, sollte sich ebenfalls trainiert und geübt haben. Niemand wird die Betrachtung hier verstehen, der nicht Voraussetzungen dafür mitbringt. Es braucht einen Grundstock an Erfahrung.

 

-- Ich bemerke, dass die Zeit vergeht. Es handelt sich um ein kontinuierliches Fliessen. 

-- Im Vergehen der Zeit liegt eine Kraft, sie ist in jedem Augenblick gegenwärtig. 

-- Diese Kraft, die das Wirken von Zeit ist, bewirkt die Entstehung und Veränderung der irdischen Dinge. 

-- Die Kraft wirkt nicht blind-wütend, sondern planmässig aufbauend.

-- Die Dinge im Universum haben ihre Ursache nicht in sich selbst, sondern im Wirken dieser Kraft,  welche hier die Zeit genannt wird. 

-- Da das Universum weder als Ganzes noch die einzelnen Dinge ihren Ursprung in sich selbst haben, ist etwas Überirdisches und Jenseitiges am Werk.

 

 

Ich hoffe, dass das allgemein gültig ist. Ich denke, auch Naturwissenschafter werden so weit noch einverstanden sein. Erst jetzt trennen sich die Wege. Sie trennen sich bei der Einschätzung des Befunds. 

 

Ist die Ursache der Zeit etwas Totes oder etwas Lebendiges? Ist die Ursache der Welt einfach nur "nicht-messbar" oder ist sie etwas Spirituelles, etwas Grösseres, etwas Persönliches, mit dem ich mich berühren kann?  Kann ich davon etwas verstehen? Gibt es Berührung?

 

Meine Betrachtung geht wie immer von der eigenen Ichheit oder dem Selbst aus. Das ist die Grundlage. Ichsein, Ein-Selbst-Haben, Erfahrungen-Machen sind Tatsachen. Wir haben es nicht mit  dem Physischen, dem Wägbaren, Messbaren zu tun. Sondern wir haben es mit dem Sein zu tun. Und das halte ich für DIE grundlegende Erfahrung.

Und jetzt beginnt die Studie über die Zeit, über die Erfahrung und Ergründung von Zeit.

 

ooo

 

Was ich hier "Zeit" nenne, ist die Bewegung der Dinge im Diesseits. Die Bewegung ist überall, meistens für uns nicht sichtbar und geht wohl auf das zurück, das auf atomarer oder sogar subatomarer Ebene geschieht.)  Es ist ein ständiges Gestaltetwerden

 

Die Dinge werden vor allem von innen her bewegt. Dessen muss man sich bewusst sein, auch wenn man die Dinge ganz normal von "aussen" (von der Oberfläche her) sieht. Dinge werden nicht nur von innen her, sondern auch von äusseren Kräften her bewegt, aber auch in den äusseren Kräften, wirkt etwas Verborgenes, das ständig durch alles hindurch wirkt, ein gegenwärtiges Wirken, das wir zunächst nicht sehen, aber das wir im Nachhinein oft besser sehen, nämlich sobald wir die Veränderung auch äusserlich (an der Oberfläche) sehen. Und so merken wir oft erst viel später, dass Zeit in den Dingen vergangen ist. 

 

Aber Zeit vergeht natürlich immer. Da ist Bewegung überall. Es gibt Oberflächen, aber unten den Oberflächen bewegt sich alles. Eine Aussicht, eine Landschaft, ein Zimmer... was auch immer: Es ist nie zwei Mal gleich. Es ist immer um ein Weniges verändert und  weiter gekommen. 

Das ist selbstverständlich, es kann ganz platt und erkenntnislos von jedermann akzeptiert werden.

 

Wann beginnt das Staunen?  

Sobald man merkt, dass etwas dahinter steht. Es MUSS ewas dahinter stehen, es MUSS etwas Ursprung oder Quelle von all dem sein. Da ist nicht nur Wirken, es ist auch eine PRÄSENZ im Wirken. Sobald man das an sich herankommen lässt wird klar: 

 

 

 

Zeit ist Gegenwart von Jenseitigem.

 

 

Alle Dinge sind Träger von Botschaften. 

Dinge sprechen.

 

 

Die Dinge sind Äusserungen von etwas "ÜBERIRDISCHEM".

 

Die Dinge sind mehr als Dinge. Ja, auch das!

Obwohl wir uns mit ihnen berühren können.

 

 

 

Über die Zeit nachdenken  von einem Tag zum anderen

 

Wie kommt man zu solchen Einfällen? Es geschah nichts.
Es ging um ein zweimaliges Sitzen auf ein und derselben Holzbank.

 

Ich sitze an einem Tag auf der Bank, ruhe, schaue.

Und dann:

Ich bin an einem anderen Tag auf derselben Bank.

Die Situation ist gleich.

Ich fühle mich selbst auch gleich. Ich ruhe also, schaue herum. Die Aussicht ist dieselbe. Die Bank sieht gleich aus. Und doch!

ALLES hatte sich geändert.

Selbstverständlich hatte sich alles verändert. Alles verändert sich laufend.

Man merkt es meistens nicht. Man kann es nicht sehen. Es kann einem aber doch intuitiv aufgehen, wenn man zwei Mal in der gleichen Situation ist. Sie ist gleich.  Aber in der Zwischenzeit ist etwas passiert, also ist die Situation nicht gleich. Die Dinge sind nicht gleich. Nichts ist gleich.

Eine Bank, die gleich aussieht, ist nicht gleich, sondern innerlich anders geworden, ist innerlich ihrem Zerfall näher gebracht worden, auch äusserlich ein wenig durch Verwitterung, Wind, Sonnenstrahlen und Abnützung. Aber man sieht es nicht. Die Aussicht ist zwar die gleiche, doch die Wolken am Himmel mit Sicherheit nicht, auf den Bergen ist vielleicht da und dort ein Stein heruntergefallen, man sieht das auch nicht, aber es muss geschehen sein, es hat sich etwas bewegt, und die Pflanzen sind gewachsen, die Blätter stehen anders, ich sehe das alles nicht, aber es ist ganz klar, dass es so sein muss. 

 

Auf einmal fühlte ich sehr deutlich die ANWESENHEIT von Zeit. Es war nicht die Zeit so wie auf dem Zifferblatt der Uhr, nein, ich empfand es als etwas Mächtiges, etwas Erschaffendes und Umfassendes. Ein Schaffen in jedem Ding der Welt. Die Zeit war im Holz und im Stein, in der Luft, im Innern der Berge, in den Bestandteilen der Berge, den Mineralien, in den Lebewesen.

 

Zeit "wohnt" in den Dingen, könnte man sagen. Zum Beispiel ist sie

-- im Boden

-- in den Atomen

-- im Fleisch der Menschen

-- im Holz

-- im Stein

Sie wirkt überall unter der Oberfläche. Und: Man kann sie nirgends anhalten.

 

 

Was ist das, die Zeit?

 

Warum steht die Welt nicht still?

 

Wo kommt die Zeit her?

Woher kommt diese innere Kraft?

Wie ist die Zeit? Wie ist sie in den Dingen?

Wie ist sie in die Dinge hinein gekommen?

Wie ist Zeit zu Zeit geworden? Wer oder was hat Zeit zu Zeit gemacht.

Die Zeit erschafft die Welt, erhält die Welt jetzt, zerstört sie später wieder,  wie sie auch jetzt schon laufend Dinge zerstört, denn offenbar ist die Beschaffenheit einzelner Dinge nicht so wichtig.

 

Ich sehe sie nicht, die Zeit. Dennoch erkenne ich ihre Gegenwart sehr innig. Es geht nicht darum, dass ich sie denke. "Sie" ist eine spirituelle Erfahrung, und damit aus der Tiefe heraus gekommen, nicht aus Gedanken heraus. Und so spüre ich ZEIT als etwas Reales, Gegenwärtiges.

Es muss mich nichts auf der Haut brennen oder mir nichts ins Auge fallen, ich bemerke "Sie" trotzdem. Sie ist nah, sie ist einfach da.

 

 

                                                                       *

 

 

Im Inneren des Holzes und im Inneren des Gesteins geht etwas vor sich, immer dasselbe, nämlich Veränderung. Und das, was die Veränderung bewirkt, ist die Zeit. Sie ist eine Kraft. Und sie setzt etwas in Bewegung.

 

Auf einmal erkennt ein Mensch – vielleicht auf einer Holzbank am Waldrand – dass etwas im Gang ist. Das Verhältnis von mir, dem Erfahrenden, und ihr, der Zeit, ist erstaunlich. Da bin ich, und da ist das, was die Welt bewegt. Es ist nun eine Belanglosigkeit keine Belanglosigkeit mehr. Eine Holzbank offenbart ihr Inneres, ihr wahres Wesen. Die Landschaft zeigt, was sie im Verborgenen ist. Vielleicht ist das Motiv des Menschen, der eine Landschaf betrachtet, immer die Suche nach  Berührung  mit dem Verborgenen oder dem Inneren der Landschaft.  Alles hat Seele, alles hat Geist. Doch dabei ist nichts statisch;  alles bewegt sich und ist die Aussenseite des zeitlichen Wirkens. £Und DAS ist es, was gegenwärtig ist.

 

Dass da eine unglaubliche Kraft sein muss, die die Energien auseinander gerissen hat, um Atome und Moleküle entstehen zu lassen, ist klar. Was ich bemerke von ZEIT ist vergleichsweise ein schwaches Wirken. Die rohe, gigantische Gewalt ist um die nächste Ecke. Nichts von einem Weltende ist auszumachen! Was ich erkenne, ist ein mildes Wirken, welches die Welt (jetzt) zu einer GEORDNETEN Welt macht, die sich in den uns gewohnten Bildern darbietet. 

 

Die Zeit wohnt im Molekül des Dings, im Atom des Dings.

Sie wohnt im Zusammenhang der Moleküle, in Mineralien und Stoffen und in all dem, was daraus wird. Im Moment von jetzt ist das kein Chaos: Es wirkt alles wie "sinnvoll aufgebaut". 

 

Die Zeit erscheint uns Menschen als eine relativ schwache Kraft, weil sie unterschwellig wirkt. Ihre wahre Kraft erkennen wir darin, dass  sie sich nirgends aufhalten lässt. Sie durchdringt alle Dinge, alle Dinge (und Lebewesen) gleichzeitig und wirkt immer weiter.

 

WAS IST ES, WAS ICH SPÜRE?

 

Mit dieser Kraft, dieser Energie, die die Dinge durchdringt, hatte ich also eine "Begegnung" wegen der Sitzbank. Erkennt man, dann berührt man sich auch. So eine Berührung schafft eine Beziehung. Ist es nun eine Beziehung zur göttlichen Allgegenwart?

Wenn man ans Ende des begrifflichen Denkens gerät und etwas Höheres in Form eines Worts bezeichnen sollte, kommt man immer auf das Wort "Gott". Ich beabsichtige nichts Hinterhältiges damit. Es geht nicht um einen Kurzschluss und nicht um eine Banalisierung.  Ich meine eine höhere Identität von allem, eine Realität, die unsere Fantasie übersteigt. Natürlich könnte man es statt "Gott" auch "X" oder "A und O" nennen.

 

Wo hat Zeit ihren Ursprung? Ein Stück Himmel ist es schon. Gibt es eine Urform? Können wir sie zurück verfolgen? Ist Zeit selbst wie eine Quelle? Woraus quillt das, was als die Zeit erscheint, hervor? Und was ist es, das hervorquillt? Was ist es? Das ist ja auch etwas!

 

Und was ist jenseits der Quelle?

 

                                                        *

Eine indische Weltanschauung: 

Zeit ist wirkende Kraft = Maya, die Gott zwar selber darstellt, zugleich aber verhüllt.

Mit anderen Worten: Die Kraft, die die Welt erschafft, IST Gott, die Wirkungen der Kraft verhüllen Gott jedoch (vor dem Menschen).

Zusammen mit der Kraft namens Zeit ist auch das Gesetz des Wirkens da = Karma.

Das alles ist in jedem Ding und in jedem Menschen in jedem Moment anwesend.

                                               *

 

Ich erfahre die Zeit zunächst als Tatsache. Halb physikalisch, halb spirituell. Vielleicht sollte ich sie als heilig erfahren?

Ich erfahre sie nicht als Gott. Natürlich geht sie von einem Wesen aus, das man Gott (A-O) nennen kann. Ich erkenne aber nur die Tatsache ihrer Gegenwart. 

 

Ich erkenne nur, dass in allem die Zeit anwesend ist. Die Idee, sie als GOTTES Wirken aufzufassen, ist möglicherweise fremdbestimmt. Man muss aufpassen, dass man nicht von einer lebendigen Erfahrng wegkommt und in eine vorgeprägte Dogmatik (Ideologie) hinein abstürzt. Wenn man an diesem Punkt nicht aufpasst, ist jede lebendige Erfahrung verloren. 

Gott? Was ist Gott? Ich weiss es nicht. Und es ist ganz klar, DAS WICHTIGSTE IST, ES NICHT ZU WISSEN. Die ZEIT ist näher und Gott ist fern.

 

Wenn das, was ich hier "Zeit" nenne, das Leben einer Person wäre, müsste man sich jedenfalls über die sehr seltsame Person wundern. .... sehr, sehr weit weg von biblischen Vorstellungen wäre das. 

Doch dass ZEIT Leben ist, stimmt. In den Dingen ist ZEIT das, was das Leben der Dinge, auch den toten Dinge -- ausmacht. Das gegenwärtige (innere) Wirken ist es, welches jede Form und jedes Lebewesen hat entstehen lassen. 

Ist es die Materialisierung einer (göttlichen) Person?  

Man hüte sich vor Interpretationen. Sobald wir etwas festlegen, verstehen wir es nicht mehr.

 

Dass in der Welt eine Offenbarung liegt, glaube ich trotzdem. Wir müssen anerkennen, dass in der Gegenwart der Zeit eine Offenbarung liegt. Erkennt man die Zeit, so erkennt man ja eine Präsenz. Die Zeit als Kraftwirkung (und als Anwesenheit überall) kann also als eine Offenbarung Gottes angesehen werden. Abgesehen davon kann man sich mit den Dingen berühren, die ja die Offenbarung sind.  

 

Soviel kann man sagen, ohne einen Fehler zu machen. Viel weiter darf man die Interpretation nicht treiben. Denn wir sehen nicht weiter. Wir sind wie vor einem Vorhang und wissen nicht, was dahinter ist. Wir wissen, dass durch den Vorhang etwas zu uns hindurch dringt.

 

 

                                               *

 

Das zeitliche WIRKEN ist in jedem Ding, in jedem Möbel, in jedem Haus, in jeder Pflanze, in der ganzen Natur, auf dem Weg, den ich gehe, im Körper von mir und anderen Menschen: IMMER DASSELBE.

 

Das zeitliche WIRKEN ist auch in den Taten der Menschen, im Verhalten der Tiere.

 

In der (Welt-)Geschichte und in den vergangenen geschichtlichen Ereignissen kann man die Wirkung der Zeit aufzeigen. Aber eher noch besser in den Ereignissen von JETZT.  Bewegt wird alles. Kleines, Grosses. Alles hängt zusammen. Aus Kleinem kann ein  -- für uns Menschen -- grosses Ereignis werden. Beispiel: ein Erdbeben oder ein  Bergsturz. Die Zeit bewirkt durch ihre Veränderungen etwas am Erdmantel. Sie bewirkt, dass Steine verändert werden oder der Untergrund der Gesteine, dazu kann eine Wassereinwirkung kommen und dann kommt es z.B. zum Bergsturz. Und der kommt nach den vorhergehenden Ereignissen zwangsläufig zustande. Die Zeit bringt es mit sich. Aber sie hat vor langer Zeit den Stein erschaffen und dann den Stein an die Stelle gebracht, von welcher er herunterstürzt. usw.  Das Wirken in vergangener Zeit und das Wirken in gegenwärtiger Zeit bilden zusammen ein Produkt. 

 

Der geologische Blick ist auf grosse Zeiträume und feste Substanzen gerichtet. In der Astrophysik tun die Planeten und Sonnen das, was ihnen aufgetragen wurde. Die Meteorologie schaut sich Veränderungen in der Luft an. Die sich bewegende Erde bringt den Wechsel der Jahreszeiten zustande, und es kommen Blumen aus der Erde,  Bäume wachsen usw.. Hinter allem steht EIN Prinzip, eine EINZIGE Macht. Die Welt ist wie ein Uhrwerk, das einmal aufgezogen wurde. Aber die Welt ist nicht ein sinnloser Betrieb, sie ist auch ein Ausdruck. Man hat den Eindruck, dass Etwas sich der Welt einprägen will.

 

In den Lebewesen lässt die Zeit auch Sinnestätigkeiten zu. Es gibt da das Nachdenken im Menschen, das Spiegeln, die Verarbeitung von Tatsachen und die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie, die ZEIT, die Leben ist, ermöglicht auch die Entstehung von Bewusstsein beim Menschen. Sie bringt das Bewusstsein auch wieder zum Erlöschen, um es vielleicht woanders wieder entstehen zu lassen, gleich oder anders.  

 

Im Menschen kommt es zum Aufblühen von Gedanken, zu neuen Gefühlen, guten und schlechten, zum Vergehen von Gefühlen und Gedanken. Zeit wirkt auch im Geistesleben der Menschheit. Und im Seelenhaushalt.

 

 

Zeit ist jenseitig und hier

 

 

Man sollte sich mehr wundern über die Zeit als eine spirituelle ANWESENHEIT, als ein Wirken, das aus jenseitigen Kräften heraus kommt. Eine Offenbarung ist es alle Mal, eine Enthüllung hingegen nicht. Alle Dinge sind ein Gleichnis, schrieb Goethe. Enthüllung in der Verhüllung, so ist es für unseren Verstand, aber unser Verstand ist nicht massgeblich. Er fasst fast nichts. 

Dass wir in der Zeit immerhin etwas WUNDERBARES erkennen, ist klar. In der Zeit ist so etwas wie eine höhere AURA spürbar. 

 

Unser menschliches Erkennen lässt also zu, etwas als "wunderbar" zu empfinden. Das ist gut. Bei der Unerklärlichkeit der Phänomene kommt es auf unsere Berührtheit und Ergriffenheit an. Wirkliches Verstehen ist nicht notwendig. Bei der Zeit und der Betrachtung ihres Wirkens gelangen wir, wie bereits erwähnt,  gleichsam vor den Vorhang.

Wir merken ganz deutlich, dass jenseits des Vorhangs noch etwas ist.  Wir merken es, weil wir spüren, wie alles zu uns kommt durch diesen Vorhang hindurch.

 

 

Die Zeit ist sozusagen ozeanisch weit, und alles geschieht gleichzeitig

 

und

 

Alles bildet Eines. Alles wird zu EINEM gemacht.

Und alles wird in EINEM gemacht in einem Moment.

 

        

Hier endlich haben wir es mit neuen Dogmen zu tun. 

Man hat den Eindruck, dass alles im Universum zusammengehört und ein Ganzes bildet. Es baut sich anscheinend alles von unten her auf, also aus dem atomaren Bereich, wenn man so will. Aber irgend ein Geist muss noch da sein, der alles von innen heraus zu EINEM macht.

Oder nicht?  Dogma abgelehnt?

 

Ein Zusammenhang entsteht, weil stets der eine Zustand in den nächsten überfliesst. Sowohl im lebendigen wie auch im stofflichen Bereich kommt es ständig zu einem überfliessenden Austausch.

 

                                               *

 

Ich vergleiche also meine Sitzbank an einem früheren Tag mit dem Zustand, den sie heute hat. Die Sitzbank hat ihre Geschichte, ihre Entstehungszeit, ihre Verwitterung. Sie ist voll von vergangener Zeit und voll der gegenwärtigen Zeit unterworfen. Da gibt es den langsamen Zerfall des Holzes, dessen Verwitterung durch Sonne, Wind und Regen.

 

Aber um die Zeit zu "sehen", muss ich das Gesamte sehen. Ich schaue wie mit Röntgenstrahlen ins Innere der Dinge. Ich entdecke IHRE verborgene Anwesenheit im unsichtbaren Bereich. Und sie zu entdecken macht Freude.

 

                                               *

 

Geht alles wieder weg?  Verschwindet es wieder?

Die Welt? ich? meine Bank?

Bringt Zeit die Erde wieder zu Staub? zu weniger als Staub? zu gar nichts?

aber sicher!

 

Wie lange halten die Atome?

Wie lang leben sie?

Zeit ist auch in den Atomen. Sicher haben sie eine Lebenszeit. Einmal erlahmen sie. Es kommt zum Erschlaffen der Elektronen oder irgend so ähnlich. Was da getrennte Ladungen sind, bildet vielleicht miteinander nichts. Oder es geht alles in Strahlung auf.  Das ist auch etwas Unruhiges. Irgendso ein Punkt Omega saugt auch das noch auf.  Und in der Zwischenzeit sind alle Menschenseelen davongeflogen in ein anderes Land. 

 

Aber was dazwischen war in der Phase der Schöpfung, hatte mit Herrlichkeit zu tun. (Unabhängig davon, ob alles mal wieder zu Nichts wird.) Und das ist das, woran wir jetzt Teil haben.

 

                                               *

 

Wenn ich so etwas Unglaubliches wie das Wirken der Zeit erkenne,

so erfüllt mich das mit Freude. Aber ich meine damit nicht unbedingt das äussere Schauspiel in der Welt, sondern noch mehr die innere Anwesenheit zum Beispiel im toten und auch lebendigen Holz, oder "die Anwesenheit" im Boden, in den Bergen, im Land, in den Gewässern, in der Erde als ganzer. Alles ist verrückt an der Welt. Wo kommt das nur alles her?

 

Natürlich enthält dieser Aufsatz über die Zeit auch die Frage nach der eigenen Bedeutung inmitten dieses Geschehens. Was ist der Mensch?

 

Die Ursache der Dinge ist für unsere die Augen verborgen. Und intellektuell kann man sowieso nichts verstehen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir im Gemüt und im Herz berührt werden von dem, was wir (nicht) verstehen.

 

Und darin könnte auch ein WIEDERKENNEN liegen. Ich meine damit: Es könnte mit dem Erkennen der Zeit ein Stück weit eine Erklärung für unser eigenes Dasein enthalten sein. Denn im Erkennen von ZEIT geht es ja nicht um etwas Unwirkliches, es geht im Gegenteil um das Auffinden eines GEGENÜBERS, das uns in seiner Erstaunlichkeit belehrt und mit einbezieht.

 

Gehen wir der  ZEIT so weit wie möglich nach und zurück an ihren Ursprungsort, so kommen wir auch an den Ort unserer eigenen Herkunft. Gehen wir der Zeit nach, gehen wir auch zu uns selbst. Auch wenn wir im Kern wahrscheinlich nicht zeitlich sind (als Geist) so kommen wir doch in irgendeiner Weise herüber. Und damit sind wir verwandt mit der Zeit.

 

Sie, die Zeit, dringt durch den Vorhang. Was jenseits davon ist, wissen wir nicht. Den Vorhang zu durchdringen, scheint nicht möglich zu sein. In diesem Sinn, kann die Zeit wie die Trägerin von Botschaften aus dem Jenseits aufgefasst werden. Und sie ist Trägerin dieser Botschaften in allen Dingen, die aus ihr hervorgehen.  

Das ist der Grund dafür, dass die Zeit für uns etwas Gutes ist und uns Freude macht.

 

 

Die Bank, die Welt und ich zusammengefasst

 

 

An Ort und Stelle einfach alles. 

 

In diesem Sinn ist das, was da ist, zu studieren. 

Wo man auch immer ist:

Was diesseitig ist, ist auch jenseitig. 

 

Alles ist durch den Vorhang hindurch gekommen.

In der Szene hier waren die Holzbank, die Aussicht und ich.

 

 

 

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