Autor Thomas Dunn www.dunn.ch
Die Wahrheit, die das Ganze ist
Inhalt:
Vorbemerkung
Einleitung
Schritte
Im Lichtpunkt
In eins
Das Ich, das Heilige
Gespräch mit Gott
Abschluss
Anmerkungen
Vorbemerkung
"Jeder neue Tag des Sterblichen, o Tod, lässt die Kraft der Sinne schwinden.
Selbst ein volles Leben ist kurz und wertlos - behalte dir die Wagen, den Tanz und den Gesang! Der Mensch kann durch Reichtum nicht befriedigt werden."
Katha Upanishad (1)
Im Vergleich zum noch
herrschenden Zeitgeist und zu dem Geist, der uns in der Alltagswelt begegnet,
ist hier etwas Alternatives aufgezeichnet. Die Alternative heisst :
"absolute Wahrheit" und "Beziehung zum eigenen Selbst". Der
Text hat spirituelle Wahrheit, spirituelle Entwicklung zum Inhalt.
Ich gehe von einer Haltung aus, die man "humanistisch" nennen könnte.
Ich will damit sagen: Nicht eine Glaubenslehre ist bestimmend für mein Leben
und Denken. Ich glaube, dass ein Mensch frei sein soll und selbst danach
forschen kann, was wahr ist. Ich bin davon überzeugt, dass die angeborenen
Fähigkeiten ausreichen, um Erkenntnis zu finden.
Dass es noch viele Menschen gibt, die diese Fähigkeiten nicht benützen, also
nicht suchen nach dem "Wahren", ist schade. Jeder Mensch hat eine
gewisse Vorbildung oder Prägung erhalten. Die kann leider auch zu einer
Geistverdrossenheit oder einer Verhärtung gegenüber dem Höheren geführt haben.
All die Nihilisten und Rationalisten, die zur Zeit auf der Welt sind, wurden ja
irgendwie "gemacht", denke ich. Von selbst - und von innen heraus -
kommt so etwas nicht zustande. In Schule, Elternhaus, Kirche und Büro wurden
solche Menschen vielleicht misshandelt, verletzt, betrogen, enttäuscht, und
zwar gerade in dem intimen Bereich, in dem Selbstbeziehung aufkeimen soll und
in dem ein Mensch liebt, sich freut, glaubt, hofft und sich selbst achtet.
In diesem Buch versuche ich, einige "selbstnahe" Dinge aus der Tiefe
zu ziehen und einige spirituelle Erfahrungen schmackhaft zu machen, welche
allgemein und "von selbst" zugänglich sind. Der folgende Text ist für
eine Bedürftigkeit und eine Sehnsucht von der feineren Art geschaffen worden.
Ich denke, dass der Leser, der "geneigt" ist, hier Stoff für sein
eigenes Studium finden kann. Sobald ein Leser ein Interesse an den besprochenen
Themen findet, befindet er sich schon auf dem "Weg". Der Weg ist
offen. Es gilt: Wer das Wahre sucht, findet es. Anfänglich mag die Erkenntnis
zwar schwach sein, mehr wie ein Schimmer von etwas oder eine Ahnung. Auch gibt
es Rückschläge, Enttäuschungen, Abstürze. Und bis man sich geborgen fühlt und
davon überzeugt ist, dass ES, das absolut Wahre, im eigenen Inneren anwesend
ist, können viele Jahre vergehen. Aber solche Umstände werden einen Menschen,
der sich in genügendem Mass selber liebt, nicht davon abhalten, auf diesen Weg
zu gehen.
Ich vermittle Anregungen, keine Lehre. Die Texte, die folgen, sind zur Stärkung
des Geistes und des Willens gedacht und zur Ausrichtung der Gedanken.
Ich möchte Anregungen vermitteln, die Mut machen. Auf dem Weg der spirituellen
Erfahrung braucht man Mut, nämlich den Mut, sich selber wahrzunehmen : die
eigenen Interessen wahrzunehmen und darüber hinaus auch die eigenen Gedanken zu
denken, Innigkeit zu finden, Gefühle zu haben, das Eigene wachsen zu lassen.
Ich hoffe, dass meine Texte in diesem befreienden Sinn gelesen werden können.
Mein Wunsch als Verfasser ist, dass der Leser die Wahrheit nach und nach
unverhüllt und direkt erkennt in der Art und Weise, die ihm entspricht und ihm
am nächsten steht.
Einleitung
Die Wahrheit, die das Ganze
ist...?
Eine unsichtbare Geliebte, die allgegenwärtig ist!
Es geht um das Schönste, das es überhaupt gibt.
Dass es noch etwas Richtiges gibt jenseits unserer alltäglichen Wirklichkeit,
ist eine grosse Freude.
Hier ist die Rede von der "absoluten Wirklichkeit", vom "Wesen
der Dinge". Es wird darum gehen zu erklären, was sich hinter diesen
Wörtern verbirgt, um was für Annäherungen es geht und was für Begegnungen
stattfinden.
Bei mir ist es sehr oft so, dass
ich mich in eine Frage versenke. Die Frage lautet : Was ist gegenwärtig? Was
ist das, was wirklich ist? Kommt es bei dieser Art von Fragestellung zu einer
Antwort, so stammt diese Antwort aus einem Bereich, der weit über der Sprache
und über dem Denken steht. Was ich als "Antwort" wahrnehme, ist oft
nur ein erhellender Moment. Es erscheint etwa ein bildloser und wortfreier
Eindruck. Ob es sich um einen grossen oder einen kleinen Eindruck handelt, ist
zunächst unwichtig. Ich fühle mich in Kontakt mit etwas Schönem, und das macht
Freude.
Nachher drängt es mich dazu, den Eindruck in Worte zu fassen. Und so ist dieses
Buch entstanden.
Die Arbeit am sprachlichen
Ausdruck richtet den Geist erneut in dieselbe Richtung. Damit fällt die
Sammlung vermehrt auf denselben Punkt. Beim Schreiben mache ich oft eine
weitere Vertiefung durch. Es kommen neue Einfälle zustande.
Ich schreibe über eigene spirituelle Erfahrungen, nicht über fremde. Ich
beschreibe eigene philosophische Einsichten, nicht mögliche philosophische
Einsichten.
Ich bin beeinflusst von vielen Seiten her. Dass in dem vorliegenden Buch etwas
Anderes enthalten wäre als in den Büchern, die im Literaturverzeichnis
aufgeführt sind, möchte ich nicht behaupten.
Dennoch weicht dieses Buch von jedem der andern Bücher ab. Die alten Themen
sind aufgearbeitet und neu dargestellt worden. Allgemeinmenschliches Gut
erscheint in einer anderen Form.
Ich denke : Der Geist in uns ist
die Alternative zum Zeitgeist, eine Alternative zur Sinnlosigkeit, eine
Alternative zu der Gesinnung, die zu einer Weltkatastrophe führen muss. Da ist
etwas in mir, welches nicht nur wahr ist für mich persönlich, es könnte in
jedem Menschen aufblühen und die ganze Menschheit retten vor dem Untergang.
Doch dieses innere Gut ist noch immer tief verschüttet. Höhere Wahrheit wird
abgewiesen. Und weil es so ist, ist der Mensch in der Sackgasse. Ob es der
Menschheit noch rechtzeitig gelingt, umzukehren und neue Wertmassstäbe zu
entwickeln?
Spiritualität als Ausweg?
Es gibt keinen anderen Ausweg.
Die Besinnung auf etwas, das über uns steht, kann erst ein Gefühl schaffen für
das, was wirklich Wert besitzt. Haben wir spirituelle Erfahrung, können wir die
Kräfte, die in uns wirken, für eine Weiterentwicklung geistiger Art umlenken.
Wenn es jetzt in der Welt vor allem um Besitzgier, sinnlichen Genuss und
Machtstreben geht, bedeutet das, dass wir unsere Kräfte in einer primitiven
Form ausleben. Dieses Buch kann vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass man
die eigenen Kräfte, die im Körper und in der Seele anwesend sind, auf eine
andere Weise ausleben könnte.
Wie schnell erreichen wir eine Einsicht, die zu einem Umdenken führt? Es kann
eine wesentliche Änderung plötzlich eintreten, das darf man jederzeit erhoffen,
normalerweise jedoch erhält ein Mensch nichts geschenkt. Ich glaube, es braucht
ein längeres Studium, den Weg, den wir gehen.
Zwar ist die Wahrheit in uns, sie ist gegenwärtig in uns; doch wir haben uns
von ihr fortentwickelt und uns abgekapselt. Daher müssen wir uns wieder
zurückentwickeln, müssen uns darum bemühen, dass wir wieder "hörend"
und "sehend" werden. Sind wir bereit, uns zu öffnen und es
zuzulassen, so dringt die Wahrheit auf eine subjektive, intime Art aus unserem
Inneren hervor.
Um die paar esoterischen Begriffe, die man überall billig haben kann, geht es
nicht. Die Wahrheit, auf die es ankommt, will uns ganz. Man muss wirkliches
Verständnis finden.
Der Gegenstand dieses Buchs ist schön.
Er gehört zum Bereich des
Schönen. Das Schöne wirkt anziehend. Wir suchen das Schöne. Es erfüllt uns mit
Sehnsucht bei seiner Abwesenheit, und es erfüllt uns mit Glück bei seiner
Anwesenheit.
Man könnte einwenden, dass der so schöne und wahre Gegenstand auch eine andere
Sprache und ein anderes Buch zur Folge haben könnte. Vielleicht ein Buch, in
welchem die Inspiration und die Ergriffenheit im Gefühl noch deutlicher zum
Ausdruck kommen.
Das ist ein guter Einwand. Ich kann dazu sagen: Ich werde mich bemühen, so ein
Buch zu schreiben. Einige persönliche Erfahrungen mit lyrischem Charakter
möchte ich bereits in diesem Buch wiedergeben.
Im übrigen soll das vorliegende Buch das Feld unserer Arbeit mit
Argumentationen und Erklärungen umreissen. Das ist für die spirituelle Arbeit
wichtig. Es soll über das Handwerkliche bei der spirituellen Suche gesprochen
werden. Ich halte spirituelle Arbeit weitgehend für eine Arbeit an der eigenen
Gesinnung und an der eigenen Weltanschauung. Daher kommen im folgenden Texte
vor, die mit Reinigung der Gedanken zu tun haben.
Bei der Arbeit an diesem Buch musste ich tieferliegende Erfahrungen in die Form
der Sprache umsetzen. Ich habe die inneren Erlebnisse möglichst genau
wiederzugeben versucht, um den Leser in die Lage zu bringen, diese Erlebnisse
selbst zu wiederholen. Die Sprache soll dabei, ähnlich wie bei der Dichtkunst,
über das begriffliche Denken hinausführen und ein Wiedereintauchen in einen
sprachfreien Raum ermöglichen.
Sodann habe ich beim Schreiben
dieses Buchs versucht, die Langweile ein wenig zu verscheuchen. Eine Rahmenerzählung
wollte ich nicht über diesen Text stülpen. Aber eine andere, sehr begrenzte
Fiktion habe ich eingeführt: die Fiktion eines "Kollegiums".
Ich lasse ab und zu drei Leute miteinander reden. Diese drei widersprechen sich
untereinander im allgemeinen nicht. Sie gehen miteinander auf demselben Weg.
Ich grenze sie voneinander ab, wie man verschiedene Aspekte ein und derselben
Sache voneinander abgrenzen kann.
Die drei fangen sogleich an. Sie sprechen über dieses Buch, entwerfen das
Programm. Auch ein Blick in die Vergangenheit gibt es. Sie tun so, als würden
sie das Buch machen und nicht ich.
A.
Unsere Erörterungen und Gespräche beginnen nicht am Anfang der Suche. Unser
Anfang liegt einige Jahre zurück. Wenn wir jetzt berichten, so fassen wir die
Ergebnisse unserer Forschungen zusammen.
B.
Ja, wir haben schon lange geübt, haben lange studiert. Jetzt tragen wir die
Ergebnisse zusammen. Was wissen wir?
C.
Wissen wir etwas, oder werden wir zugeben müssen, dass wir nichts wissen?
B.
Beginnen wir damit, dass wir uns auf die Tatsache besinnen, dass wir leben. Ich
besinne mich auf mich selbst. Ich bin jemand. Ich bin da.
A.
Dass es überhaupt etwas gibt! Und dass wir dessen bewusst sind, ist ein Rätsel:
Ich fühle mich selbst und erschrecke.
C.
Es kommt mir vor, als wenn die Welt keine Welt wäre, als ob ich nicht ganz
wirklich wäre, als ob alles im Fluss und voll von anderer Bedeutung wäre.
B.
Ich kenne eine Sehnsucht, die schwer zu erfüllen ist. Ein Verlangen, das schwer
zu stillen ist. Einen Schmerz des Vermissens. Ich habe oft das Gefühl, dass
meine Kraft ins Leere verpufft und alles zwischen meinen Händen zerrinnt. Das
macht mich traurig. Ich suche Kraft und Sammlung.
A.
(lacht) Wir möchten, dass das Schöne dauert und der Genuss unerschöpflich ist.
Was wir suchen, ist das Paradies.
B.
Wir möchten den Sinn des Daseins erkennen.
A.
Wir suchen die Erlösung. Wir suchen das, was jenseits des Todes wie ein
Belohnung auf uns wartet...
B.
Der Tod ist ein Lehrer. Er lehrt, dass alles anders werden wird. Er lehrt, dass
wir alles lassen müssen.
C.
Wir übten, an unsere Wurzeln zu gehen und uns mit dem Absoluten zu vereinigen.
A.
Wir übten die Hingabe.
Das Wahre ist jenseits der Gedanken. Wenn wir das Wirkliche finden, geht es in
Wellen durch unseren Körper.
B.
Die Wahrheit wird dadurch tatsächlich, dass sie etwas in unserem Körper ändert.
Erkennen ist wie ein Fliessen von Feuer. Das Bewusstsein wird verändert.
C.
Es geht um das, was der Welt Farbe gibt, was dem Herzen Gefühl verleiht, was
uns atmen lässt.
Schritte
Um aus der Zerstreuung
herauszukommen und mich zu erheben, sammle ich mich zum Beispiel auf eine
Frage, die mich gerade beschäftigt, auf eine philosophische Frage oder eine
theologische. Sehr oft stosse ich auch bei der Lektüre auf ein Thema, das mich
fasziniert. Ich sammle mich darauf. Ich vertiefe mich in das Thema. Solche
Fragen sind Kräfte, und auch die festgehaltenen Themen lösen eine Wirkung aus.
Es entstehen Ahnungen, Gefühlsregungen. Und es kommen Ideen, Einfälle zustande,
die weiterführen.
Neben den aktuellen Fragen und den aufgeschnappten Themen gibt es die
Rückbesinnung auf früher vollzogene Erkenntnisse. Je mehr mir diese
Erkenntnisse etwas bedeuten, desto eher ergeben sich weitere Erkenntnisse daraus.
SUCHE
B.
Wir suchen die Wahrheit. Wir suchen sie mit allen Mitteln.
A.
Wir suchen die Wahrheit, die die letzte und einzige ist.
B.
Wir glauben, dass es sie gibt.
C.
Wir suchen die Wahrheit mit allen Mitteln: also nicht nur durch Nachdenken,
sondern auch durch Nichtdenken, durch Meditation, durch Einfühlung, ferner
durch unseren Instinkt.
A.
Wir suchen sie durch Hoffnung, Freude und Trauer. Das Herz muss mitsprechen.
Das ist klar.
B.
Wir lassen die Wahrheit Wirklichkeit werden, so gut es geht. Wir lassen sie in
uns wirklich werden. Wir lassen uns auf sie ein.
C.
Was ist Wahrheit ? Wie kann man über Wahrheit sprechen? Wie kommen wir dazu ?
Wäre Wahrheit nur ein Wort, wäre sie nicht anziehend. Sie ist aber anziehend.
B.
Das, was wahr ist, zieht uns an. Die Wahrheit fehlt uns, wenn wir ihr fern
sind. Es ist uns angeboren, nach dem Bleibenden, dem Gültigen zu suchen.
C.
Das, was wahr ist, ist aber nicht nur im Ewig-Gleichen und Bleibenden zu
suchen, sondern auch im Wechsel, im Fliessen, im Wandel. Wahrheit ist auch das,
was alles ändert. In der Änderung erfahren wir Wahrheit.
A.
Das, was "wahr" ist und die "Wahrheit" genannt wird, kann
wie ein Gegenüber erfahren werden, als wäre sie ein Gegenstand oder Objekt. Sie
ist dann so, als könnte man zu ihr hin.
B.
Ich erfahre das, was wahr ist, als mein Eigenes. Die Wahrheit ist in mir. Ich
bin sie selbst. Und weil ich sie als etwas Angenehmes empfinde, lasse ich mich
gern auf sie ein.
SUCHE MIT ALLEN MITTELN
B.
Eine Methode also, um sich der Wahrheit zu nähern, ist die Suche mit allen
Mitteln: das Ausspähen mit allen Sinnen.
Denken genügt nicht, lieben ist besser. Wir leben auch von Einfällen, von
Rührung und Berührung, von lyrischem Empfinden. Phantasie und Tagträumen
verbieten wir uns nicht.
C.
Wir wissen, dass unser Vorgehen nicht in einem engeren Sinne des Wortes
"wissenschaftlich" ist. Wir zielen ab auf das persönliche, innige
Erleben.
A.
Wir berichten über das, was wir erfahren haben. Die Dinge, die wir wissen,
wissen wir aus unserer Erfahrung heraus. Falls jemand es unverbindlich findet,
was wir erfahren haben, schadet es uns und der Erfahrung nicht.
B.
Man kann unsere Studien als unverbindlich ansehen und auf die Sache nicht
eingehen. Gut, dann geht man eben an der Sache vorbei.
Beliebig sind unsere Erfahrungen deswegen nicht. Die Erfahrungen, die wir
gemacht haben, sind Stationen, an denen alle Menschen vorbeikommen, wenn sie
auf diesem Weg gehen. Nicht umsonst schreiben alle Menschen über diese Dinge
ähnlich. Hier ist nichts aus der Luft gegriffen.
C.
Unser Gegenstand ist real. Er ist allgemeinmenschlich. Zwar ist er schwer zu
beschreiben, weil er letztlich eigenschaftslos ist. Doch wir sprechen über
etwas Nahes, welches jeder Mensch in sich hat. Und weil jeder Mensch das
ebenfalls in sich hat, können wir auch verstanden werden von anderen Menschen.
A.
Alle haben es in sich, aber nicht an allen kommt es zum Klingen.
NICHTSUCHE
A.
Erwähnt wurde die eine Methode, sich der Wahrheit zu nähern: die Suche mit
allen Mitteln. Es geht um Öffnung, um Offenheit dabei, um Ausschau, nicht wahr.
Was wäre die zweite Methode?
B.
Die zweite Methode besteht im Erkennen ohne Suchen. Es gibt Angekommensein ohne
Bemühung, Wissen ohne Lernen. Aber dass Nicht-Suchen zu Angekommensein führt,
gilt nur für gewisse Leute. Von uns ist keiner soweit.
Angekommensein ist heute weiter weg als das Suchen.
A.
Inwiefern gilt es nur für gewisse Leute, dass sie ohne Suchen sein können?
B.
Der normale Mensch von heute hat viel zu viele Wünsche. Längst hat er das
Gefühl für das Selbstverständliche verloren.
Der Chinese Linji sagte dazu:
"Ein rechter Mann versteht [...], was es heisst, nichts unternehmen zu
müssen. Euch fehlt es an Selbstvertrauen, darum ist euer Geist immerzu auf der
Suche. Ihr sucht kopflos euren eigenen Kopf, könnt euch keine Ruhe gönnen...
Wirklich ist das Jetzt, es führen keine Stufen dazu." (2)
Während er in die Versammlungshalle trat, sagte Huangpo: "Der Besitz
vieler Arten von Kenntnissen lässt sich nicht mit dem Aufgeben der Suche nach
irgendetwas vergleichen. Das ist das beste aller Dinge. Es gibt nicht
verschiedene Arten von Geist, und es gibt keine Lehre, die in Worte gefasst
werden kann. Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung
geschlossen." (3)
C.
Der Mensch von heute hat ein unbescheidenes Bewusstsein. Wo ist der Mensch, der
mit dem natürlichen Gang der Dinge zufrieden ist ? Wo ist der Mensch, der nicht
m e h r sein möchte, als er ist ? Wo ist ein Mensch, der ohne Besitz sein kann
? Keiner lässt es genügen bei dem, was ist.
B.
Man möchte auch bewältigen. Mit dem Spirituellen insbesondere möchte man etwas
bewältigt haben. Die Weisheit soll etwas nützen, nicht wahr ? Auch darum - weil
man so denkt - kann man nie genug haben und nie aufhören mit dem Suchen.
A.
Bei mir ist es anders. Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst. Ich bin
erschöpft, denn ich habe gesucht und bin mitten im Suchen ohne Ergebnis
geblieben. Ich suche die Wahrheit, die das Ganze ist, nicht um zu bewältigen
und um Herrschaft auszuüben. Ich suche das Ende der Suche. Ich sehe ein, dass
ich mein Leben nicht bewältigen kann. Meine vorhandenen Kenntnisse genügen
nicht, werden nie genügen. Was ich weiss und beherrsche, nützt mir nichts, wird
mir nie etwas nützen.
C.
Was ist denn dein Suchen ? Wohin soll es führen, wenn es dich doch erschöpft ?
A.
Ich suche die Erneuerung.
Ich weiss, dass die Suche zu einem Ende kommen muss, und dass erst dann eine
Erneuerung möglich ist.
B.
Du suchst das Ende der Suche, das Ende der Bemühung, sogar, ohne irgendwo
angekommen zu sein, aber du findest auch das Ende der Suche nicht...
DIE EINBILDUNG, DAS TRÄUMEN UND "DIE WAHRHEIT"
C.
Wie steht es mit der Selbstkritik? Haben wir genug gezweifelt an der Richtigkeit
unserer Erkenntnisse?
A.
Wir könnten uns fragen, ob wir uns nicht zuviel einbilden, ob wir uns nicht in
Autosuggestion üben.
B.
Ich brauche das Träumen, das Hoffen, das Lieben und Ausschweifen im Geist. Ich
denke, die Seele muss fliessen, wenn sie weiterkommen soll.
Ich habe mir nie überlegt, ob ich in ein Reich der Phantasie oder der
Einbildung hinein geraten bin oder nicht. Ich denke, was mir als Phantasie
durch den Kopf geht, führt mich weiter. Was ich herbeiträume, ist wahrer als
das, was ich ohne Träumen erkenne.
C.
Wichtig ist, ob etwas Gutes zustande kommt. Wenn etwas Gutes durch Einbildung
zustande kommt, dann ist Einbildung der richtige Weg!
A.
In dem Gebiet, in welchem wir uns bewegen, kann es nicht sinnvoll sein,
Einbildung von Nichteinbildung zu unterscheiden. Wollen wir etwas Geistiges
erleben, dann müssen wir in eine Welt eintreten, die der Traumwelt nahesteht.
Wir müssen Vorstellungen zulassen, und sie zu Ereignissen werden lassen. Wir
dürfen nicht unterdrücken.
B.
In unserem Gebiet zählt die Erwärmung: die Liebe und die Verehrung des
Geliebten.
C.
Es gibt auch Nüchternheit in unserem Gebiet. Denn nicht nur Phantasie , nicht
nur Liebe ist erlaubt: Wir pflegen auch die Stille, das Schweigen. Wir achten
das Nichts. Wir verehren das Unerfassbare.
A.
Wir lieben, wir empfangen, aber wir wissen nie genau, wo es herkommt.
C.
Wir messen am Licht, an der Freude, an der inneren Bewegung. Doch wir wissen,
dass das, was dahintersteht, von uns nicht direkt erfassbar ist.
B.
Haben wir nun Selbstkritik geübt
WÜNSCHE
A.
Was wir suchen und was wir finden, beruht auf unseren Wünschen. Wir wünschen
alles herbei, denn wir brauchen es. Wir lieben es. All das Geistige, Mystische
beruht auf Wunsch.
C.
Wir haben den Wunsch, die Wahrheit zu sehen. Wir möchten die ganze Welt und
unser ganzes Leben im Licht des Absoluten sehen. Das ist selbstverständlich.
Aber es ist doch ein unerfüllter Wunsch. Das macht nichts. Wir müssen zunächst
einmal den Wunsch in uns anerkennen. Der Wunsch ist das Heilige. Dass es d i e
s e n Wunsch gibt, ist das Heilige. Das Heilige ist in uns.
B.
Es ist unsere Methode, diesen Wünschen nachzuleben.
NICHTVERSTEHEN UND "WAHRHEIT": DAS VERSTANDENE IST NICHT DAS GESUCHTE
A.
Eine weitere Methode ist, das Verstehen abzulehnen. Das, was wir verstanden
haben, ist gar nicht wirklich verstanden. Es ist ungenügend verstanden. Es
befriedigt nicht.
Nehmen wir einen Stein als Beispiel. Ein Stein ist ein Stein, sagt man, als
hätte man etwas verstanden. "Stein" ist aber nur eine Benennung. Was
das ist, was die Realität des Steins ist, wissen wir nicht.
Es gibt zwar für uns die Realität des Steins, das schon. Ich kann den Stein in
die Hand nehmen. Ich, der lebendige Mensch, berühre mich dann mit der Realität,
die ich "Stein" nenne. Damit aber verstehe ich nicht, was das ist und
was da geschieht. So eine Berührung ist seltsam, finde ich. Solche Berührungen
hier und jetzt... Was ist die Wirklichkeit von all dem ?
C.
Du willst auf einen Moment des Erwachens hinaus.
A.
Wir können auch einen Menschen nehmen als Beispiel. Da ist ein Mensch , sagt
man, als hätte man etwas verstanden. "Mensch" ist aber nur eine
Benennung. Was das ist, was seine Realität ist, wissen wir nicht.
Was ist die Wirklichkeit von dem, was wir als Wirklichkeit erleben ? Wir wissen
es nicht. Ich berühre mich beispielsweise mit einem anderen Menschen, spreche
mit ihm. Wie seltsam ! Es geschieht hier und jetzt und ist unerklärlich.
B.
Wirklichkeit ist vor uns; wir sehen sie ; aber wir verstehen sie nicht, wir
haben nie etwas davon verstanden.
C.
Daher können wir versuchen, den Geist leer zu halten
und alles Verstandene daraus zu verbannen.
VERSENKUNG ALS WEG ZUR WAHRHEITSFINDUNG
C.
Wir benützen auch Versenkung, um die Wahrheit zu finden. Wie können wir
"Versenkung" umschreiben?
A.
"Versenkung" ist nicht ein festgelegter Begriff. Statt von
"Versenkung" könnten wir auch von "innerer Sammlung"
sprechen. Versenkung ist aber nicht nur Sammlung. Die Erfahrung einer Sammlung
geht weiter bis zum Einssein mit allem. Wird tiefe Versenkung erreicht, ist
keine Unterscheidung mehr vorhanden. Da ist nur noch EINES. Daher können wir
statt Versenkung auch sagen: "Einswerdung" oder
"Wiedervereinigung".
B.
Man spricht auch von "Verwirklichung". Denn in einer Versenkung wird
etwas wirklich , was vorher nicht erreicht war.
A.
Wie aus dem Wortlaut hervorgeht, ist Versenkung ein Sinken in tiefere
Schichten. Was "tiefere Schichten" aber sind und wie der Teil von uns
heisst, der nun "wirklich" geworden ist, können wir nicht sagen.
C.
Erlebe ich eine Versenkung, kommt es vor, dass ich inspiriert und erleuchtet
werde. In diesem Fall ist der Zustand der Versenkung eine
"Erleuchtung".
B.
Eine Versenkung ergibt sich auch aus der tiefen Verehrung, die ich für etwas
Höheres empfinde. Tiefe, bedingungslose Verehrung ist Versenkung. Versenkung
ist auch das, was man Andacht nennt.
A.
Vorbehaltlose Versenkung ins Ichgefühl ist Versenkung.
C.
Versenkung kommt oft so herbei wie das Einschlafen. Ich bilde keine Worte mehr,
pflege keine Erinnerungen mehr, lasse Rücksichten und Bedenken
dahinschwinden...
B.
Leersein im Geist, Bewegungslosigkeit im Gemüt führt zur Versenkung, wenn die
"Haut" schon dünn ist und das Vorwissen gefestigt.
A.
Stillstehen und Atmen kann zur Versenkung führen.
WIEDERHOLUNG VON WORTEN
Andererseits führen Worte in Versenkung hinein. Gebete wirken nicht nur durch ihre Inbrunst, sondern auch durch ihre Wiederholung. Wirksam sind Lobpreisungen und Anrufungen. Werden solche Worte ständig wiederholt, lenken sie den Geist und wecken Kräfte in uns, die wir als "höher" empfinden.
HORCHEN
Oft übe ich mich im Horchen und Aufmerken. Ich schärfe meine Sinne. Ich schärfe sie über alle Dinge hinaus. Die Sinneskraft strömt dann nach aussen.
ERINNERN
Wichtig ist das
"Erinnern". Oft taucht etwas auf, als wäre es in der Vergangenheit
gewesen. Es kommt aus dem Unterbewussten hervor, und wir erfahren es, als wäre
es für uns schon einmal wahr gewesen. Wir haben unser eigenes Wesen
"vergessen". Nähern wir uns in irgendeiner Form diesem eigenen Wesen
an, kann es geschehen, dass wie Schuppen von unseren Augen fällt, was
unwirklich ist. Und Schuppe für Schuppe kommt Erinnerung um Erinnerung,
Qualität um Qualität, mehr und mehr Wissen zurück.
In diesem Sinn scheint mir das "Erinnern" ein Weg zum eigenen Wesen
zu sein. Übe ich mich im Erinnern an wertvolle Erfahrungen, die ich in diesem
Leben gehabt habe, erneuert und erweitert sich diese Erfahrung. Gerade die
wertvollsten Erfahrungen sind es ja merkwürdigerweise, die in Vergessenheit geraten.
Aber folge ich einer alten Spur, einem bekannten Geruch, dann gelingt es mir
oft, mich wieder in jene andere Wirklichkeit hinein zu erheben, die mir früher
etwas bedeutet hat.
BEDÜRFTIGKEIT
B.
Wir denken viel nach . Es gibt Menschen, die sind glücklich, ohne jemals nach
dem Sinn gesucht zu haben.
A.
Menschen, die die Probleme nicht sehen und Fragen nicht stellen, können wir
nicht als Vorbild nehmen.
Wir sind auf den Weg des Nachdenkens gelangt, weil wir Bedürftige sind. Wir
haben ein Bedürfnis nach Sinn. Das haben wir uns eingestanden und gestehen wir
uns immer noch ein.
Fragen wie Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Wer bin ich? Wozu lebe ich? sind
wichtig. Sie führen dazu, dass wir reifer werden, dass wir eine eigene
Persönlichkeit entwickeln inmitten des Getriebes dieser Welt, auch inmitten der
alltäglichen Destruktivität.
Stellen wir uns den Fragen des Daseins, den Fragen nach dem Grund der Dinge,
nach der Vollendung des Seins, so lernen wir uns zu öffnen für das Wesentliche.
Die Fragen heben uns empor.
Wie empfindest du deine Bedürftigkeit?
B.
Wie Sehnsucht. Liebe. Ich gehe dem Geliebten nach.
C.
Mein Wunsch ist es, frei zu werden.
A.
Wovon?
C.
Von allem.
ZUSAMMENFASSUNG
Eine Methode der Wahrheitsfindung
heisst : "Ich bin". Das ist der Weg der Sammlung.
Eine andere Methode der Wahrheitsfindung heisst: "Du bist". Das ist
der Weg der Liebe.
Der dritte Weg heisst : "Nichts ist".
Alle Wege sind gut. Sie
schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil : Es kommen alle Wege zusammen,
schneller als der Verstand meint.
Jeder Mensch kann auf allen Wegen gehen. Mal ein Stück auf diesem, mal ein
Stück auf jenem.
Im Lichtpunkt
In diesem Kapitel geht es um ein
Experiment, und zwar um Zurückweisung und Negation, um Entleerung und
Ich-Auflösung. Das Motto ist: "Ich gebe alles zurück." Ich bin diesem
Experiment erstmals begegnet in der Biographie über Aurobindo von Otto Wolff.
Viele Leute wissen nicht, dass es eine Art von "Ausgelöschtheit" und
"Regungslosigkeit" gibt, die weiterführt. Ist man wie ausgelöscht,
dann kommen neue Entdeckungen zustande.
Es sprechen die Drei.
C.
Der Ausgangspunkt:
Ich weiss, dass ich hier nicht in der wahren Wirklichkeit lebe. Ich weiss, dass
ich, so wie ich bin, nicht die Ursache meiner selbst bin. Ich bin sterblich,
unwissend, bedürftig, abhängig. Ich lebe hier in einer Dimension, die wie ein
Gefängnis ist.
Gleichzeitig bin ich angezogen vom Unbedingten. Dieses scheint jenseits von
allem zu stehen. Daher versuche ich, alles aus mir auszutreiben, was diesseitig
ist. Ich versuche alles abzuweisen, was "etwas" ist: das Wissen von
einem Gegenstand, das Wissen von mir selbst.
Die Frage lautet, ob sich dann jenseits von mir das zeigt, was wahr und
unzerstörbar ist.
A.
Es geht um "Befreiung von allem".
B.
Es geht um "Herauslösung aus allem" oder "Sein ohne etwas, Sein
ohne Denken".
C.
Das, was in absolutem Sinn wirklich ist, existiert unabhängig von meiner
Vorstellung und Einbildung. Solange ich aber untergegangen bin in Gedanken,
Sorgen, Meinungen und Reaktionen, bin ich weit davon entfernt.
A.
Die Übung besteht darin, das eigene Denken zu stillen und das eigene
Bewusstsein von a l l e n Inhalten zu befreien. Mein Bewusstsein ist
vollgestopft mit Abbildungen und Ausdeutungen, die meine Sicht von der
irdischen Dimension ausmachen. Jetzt aber will ich mich entleeren, mich von
allem freimachen.
Vielleicht zeigt sich dann etwas, das "selbst" ist, unzerstörbar und
ohne Makel
B.
Ich halte mich still, bleibe ohne Bewusstseinsregung. Gehe ich dann ein in
einen ursprünglicheren Zustand? Oder bin ich dann gar nicht mehr..., und es ist
nur noch der ursprüngliche Zustand?
A.
Wie führt ihr die Übung aus?
B.
Ich weise alles ab.
C.
Ich wende die Aufmerksamkeit von allen Dingen und mir selbst ab. Ich lasse
alles, was mir bewusst ist, fortgehen und verschwinden. Zugunsten von JENEM
weise ich die Regungen meines begrenzten Bewusstseins ab. Ich denke nicht,
fühle nicht, glaube nicht. Ich weise alles ab.
Sobald ich alles, was ich bin, zurückgegeben habe, und alles, was hier in
meinem Körper als Wahrnehmung entsteht, habe vergehen lassen, entsteht eine
Sammlung gleichsam in einem Punkt, wie mir scheint.
A.
Es geht um eine Art Gegenwehr gegenüber den automatischen Abläufen, um
Gegenwehr gegen Denkprozesse. Ich halte alle Gedanken und Gefühle schon im
Entstehungsstadium nieder, ersticke alles im Keim, damit es nicht wirklich
werden kann. Ich lasse Gedanken nicht an mich herankommen. Reaktionen sollen
mich nicht ergreifen. Ich sage "nein", "nein" und nochmals
"nein"...
C.
Neinsagen ist die eine Seite, die andere ist die Wahl. Die Wahl des
Unbedingten, des Absoluten. Ich wähle das Absolute, indem ich ihm alles
überlasse.
B.
Gibt es das Absolute? Wir können es nicht beweisen. Doch, sogar wenn es das
Absolute nicht gäbe: Die Unterdrückung des Denkens gibt es, die Entleerung gibt
es.
A.
Gebe ich alles zurück, was ich geworden bin, dann bleibt das zurück, was die
Ursache meiner Existenz ist, ein Keimpunkt vielleicht. Ich muss diesen
Urzustand nicht wählen, denn er ist von selbst da.
C.
Es geht um Wiedervereinigung mit einem Wesen, das schon längst da ist und gar
nie verloren worden ist.
B.
Der Weg zu dieser Wiedervereinigung besteht in der Hingabe. Die Hingabe an
etwas Höheres zieht alle Gedanken und alle Regungen von uns ab.
A.
Es ist mein Wille, der das bewirken kann. Ist es mein irdischer Wille, ist es
ein überirdischer Wille, der in mir wohnt? Jedenfalls muss ich wollen. Ich sage
nein zu jeder Regung, um aus ihrem Einflussbereich herauszukommen. Genau und
aufmerksam hindere ich jeden einzelnen Gedanken, sich bei mir festzusetzen. Ich
sage "nein" zu dessen Aufkeimen. Ich halte mich ohne Regung.
C.
Es muss auch die letzte Regung weg, etwa: ich vertraue, ich bin leer, ich bin
ausserhalb des Körpers...
Es kann nicht der Sinn dieser Übung sein, eine Sensation zu erleben. Das
Schönste an dieser Übung ist, dass nichts erlebt wird. Überhaupt nichts.
Dass nichts in mir sein kann, ist herrlich. Bin ich in diesem Zustand - ohne es
zu bemerken - zu etwas ANDEREM geworden? Ich kann es nicht bemerken und kann es
nicht beschreiben.
A.
Eine Beschreibung müsste in Vergleichen erfolgen und müsste Bilder benützen,
die nicht angemessen sind. Wo Leere ist, ist Leere. Man kann das nicht
beschreiben.
B.
Wenn kein Getriebe, keine Selbstbespiegelung, kein Hauch von Eigenwillen, kein
Schimmer eines Erfassens von irgendetwas mehr da ist, ist vielleicht wirklich
nichts mehr da. Doch ich glaube eigentlich: Es ist etwas sehr Kreatives da.
C.
Mein Denken ist still, mein Wissen ist weg. Nichts ist da. Und dennoch ist
etwas da. Jedenfalls ist es eine Kraftballung.
A.
Bei dieser Übung bleibt leere Wachheit übrig. Ich weiss nicht, ob es die eigene
Wachheit oder eine fremde ist.
B.
Wenn ich wie gestorben bin, gehe ich in irgendetwas ein, möglicherweise, doch
ich kann darüber keine Rechenschaft ablegen, es sei denn, ich würde wieder zu
Bewusstsein erwachen. Erwache ich aber wieder zu Bewusstsein, dann bin ich
schon nicht mehr dort.
A.
Falls es einen Keimpunkt der eigenen Existenz gibt, dann ist er bei mir über
dem Kopf. Ist es das, wovon wir jetzt sprechen und nicht sprechen können ?
C.
Ein Punkt über dem Körper... Dieser Punkt gehört zu einer anderen, höheren
Welt. Der Punkt hat Energie. Er ist mit nichts zu vergleichen in unserer Welt.
B.
Sind Ortsbezeichnungen wie "über dem Kopf" und "in der
Höhe" von Bedeutung? Könnte der Punkt nicht als ortlos bezeichnet werden?
A.
Im Vergleich zu unserem Kopf befindet sich der Punkt eindeutig höher. Er wird
über dem Kopf gefunden. Was im Innern des Kopfs und unterhalb des Kopfs in
Erscheinung tritt, ist anders. Der erwähnte Punkt ist die Zusammenfassung von
allem.
B.
Ich glaube, dass der strahlende Punkt nicht weit über dem Kopf sein muss.
C.
Bei mir war er weit weg.
An diesem Punkt angelangt und wohl vom unsichtbaren Punkt über dem Kopf angezogen, sinkt das Kollegium in Schweigen. Ob sie wirklich in die Essenz ihrer selbst eingegangen sind? Als Körper sitzen sie da, aber ihre Seelen und ihre Geister - oder wie man das nennen mag - sind ausserhalb ihrer Körper gebündelt, geballt, gesammelt. Nach, sagen wir, einer halben Stunde geht das Gespräch weiter:
C.
Ich komme leicht über meine Gedanken hinaus. Ich muss die Gedanken nicht
besonders unterdrücken. Ich kann mich schweben lassen, fliessen lassen. Und
dann führt es mich an den "Ort, wo alle Spuren enden".
A.
Alles sein lassen ist gut. Aufhören mit dem Beobachten. Keine Erfahrungen
sammeln.
C.
Die Beziehung zum Körper reisst nicht ab. Ich hatte bei dieser Übung immer das
Bewusstsein, gleichsam wie eine Perle ein Punkt von geistigem Leben zu sein.
Ich fühlte mich nicht mehr als der Mensch, der ich hier bin. Aber ich fühlte
auch nicht, dass ich jemand anderer geworden wäre.
B.
Was wir "Punkt" genannt haben, ist ein Zustand von uns selbst. Ich
glaube, der "Punkt" begleitet uns im Leben immer. Er gehört zu einem unsagbar
weiten Bereich, zu einem meerweiten Bereich. Aber er scheint doch ein
individueller Punkt zu sein. Daher denkt man später: Vielleicht ist das ein
Keimpunkt, ein Anfang.
A.
Ich erlebte als erstes eine Energieballung über meinem Kopf. Das, was da war,
leuchtete mir zu wie ein kleiner Ball. Der Vergleich mit einem Stern oder einem
Funken ist auch möglich. Ich gewahrte deutlich, dass der Punkt eine starke
Strahlkraft hatte und dass eine heitere Atmosphäre um ihn herum war. Dann
setzte ich die Meditation fort und versuchte einfach "dort" zu sein,
ohne etwas zu widerspiegeln.
B.
Am Anfang kann man sich in einer gewalttätigen Weise "abstellen",
indem man zu allem nein sagt, indem man zu allem sagt: weg! verschwinde! sei
nicht! Ich beginne so, dann aber muss ich von dieser Willensäusserung noch
freiwerden, sonst kann sich der Frieden nicht einstellen.
C.
Gut ist die Hingabe an das Höhere. Ich weihe alles, was sich in meinem Inneren
regt, ohne es besehen zu haben, dem Höheren, und wenn es sich um Gedanken handelt:
ohne sie ausgedacht zu haben.
A.
Jenseits meines alltäglichen Bewusstseins existiert etwas. Ich erlebe klare
Momente, bevor ich in den Schlaf falle. Das Gesuchte ist am nächsten, wenn der
Schlaf in unmittelbarer Nähe ist. Ich muss schauen, dass ich am diesem Punkt
bleibe, ohne einzuschlafen.
B.
Wesentlich ist die Erhaltung der Wachheit. Vielleicht sollten wir öfter unseren
Schlaf unterbrechen? Die Übung hier richtet sich gegen das Alltagsbewusstsein.
Doch sie sollte auch die Dumpfheit des Nachtschlafs durchdringen.
A.
Vielleicht könnte man unsere Übung statt "Ich gebe alles zurück" auch
nennen: "Sammlung auf leere Wachheit".
C.
Wir sammeln uns nicht nur auf Wachheit, sondern wir überantworten uns an
Wachheit. Wir liefern uns aus. An was? Wer oder was ist diese Wachheit?
B.
Wir sprechen von der Wahrheit, dem Höheren, vom leuchtenden Punkt, vom
Wirklichen, Lebendigen, Leuchtenden, dem Leben. Ein Punkt ist am Himmel, wie
ein Stern wie eine Perle, wie ein Funke...: Was für Wörter! Was für Eindrücke!
Wo gehen wir eigentlich hin, was streben wir an, was gewinnen wir ?
A.
Was übrigbleibt, ist Vereinigung. Wir lassen uns vom Urzustand anziehen
Er strömt uns entgegen. Vielleicht könnten wir unsere Übung so darstellen:
Nicht wir sind es, die uns "abstellen", und nicht wir sind es, die
aufschweben in eine höhere Sphäre, sondern es ist unser eigenes Wesen, welches
uns in einer anderen Art und Weise ergreift. Es ergreift uns, es verändert uns.
A.
Diese Übung hier beginnt beim Neinsagen. Aber dann geht es weiter, und wir
kommen dazu, jene Sammlung zu bejahen. Und dann gelangen wir dazu, alles zu
akzeptieren, was von dort ausgeht.
B.
Wenn wir alle Körpergefühle "überwunden" haben, richten wir
vielleicht unbewusst unsere Aufmerksamkeit auf den Punkt, der aus sich selbst
leuchtet.
A.
Wo der Punkt strahlt, hat er eine grosse Wirkung auf alles. Daher ist diese
Übung wesentlich.
B.
Hier sprachen wir über "Befreiung von allem" oder auch
"Herauslösung aus allem". Das ist fürs Erste das Beste. Von den
Folgen sprechen wir dann später.
C.
Ich glaube, dass auch diese Übung hier in einer Hingabe besteht. Wir lassen die
Dinge zugunsten eines "Anderen". Dieser Weg führt weiter.
A.
Unsere Lösung von den Dingen führt immer weiter bis in einen unsagbaren,
unbeschreiblichen Bereich hinein.
B.
Wir würden es schlecht machen, wenn wir bestimmte Vorstellungen fixieren
wollten. Damit würden wir ein Dogma oder einen Götzen schaffen. Das wollen wir
vermeiden. Nicht zu sehr sollten wir uns darauf fixieren, dass der Punkt über
dem Kopf ein Punkt ist, noch dass er strahlt. Wir müssen auch nicht festlegen,
dass es sich um einen Keimpunkt handelt.
C.
Ja, wir sollten weder diese noch irgendeine andere Übung ausführen, um etwas zu
beherrschen und in den Griff zu bekommen. Wir würden damit die Wahrheit
verkleinern und verzerren.
Wir wollen nichts festlegen. Die Dinge - oder was immer es sein mag - sollen
sein, wie sie wollen, sollen sein, wie sie von selbst sind. Wir wollen uns
nichts zurechtlegen, wollen nicht ausdeuten.
A.
Wir sollten aber auch nicht festlegen, dass wir überhaupt nichts mehr sagen
dürfen. Warum sollten wir die Bestimmung einführen, dass wir nichts ausdeuten
dürfen?
Ich kehre zum Thema zurück. Der Punkt unserer Sammlung soll beschrieben und
gepriesen werden. Was für eine Kraft! Was für ein "Ort"! Was für eine
Wirklichkeit! Wie schön! Oder wie erschreckend! Ein Leuchten. Ein Ort, der
keine Spuren trägt.
C.
Ich habe schon gedacht: Jener Punkt wird nicht nur in der Meditation erreicht.
Es ist immer da, ist hier. Er ist das Unaussprechliche inmitten meines
Bewusstseins.
A.
Zuerst habe ich es wie einen Gegenpol, einen Lichtpunkt über meinem Körper
empfunden. Ich habe dann versucht, keinen Gedanken mehr zu bilden, auch kein
Bewusstsein von "Ich" und "Du", von "hingehen",
"herkommen", "dortsein".
B.
So hast du Leerheit erreicht, eine Leerheit, die nicht leer ist.
C.
Die Leerheit muss leer sein. Aber hast du dann noch versucht, in der Leerheit zu
bleiben und die Leerheit leer zu halten?
A.
Das wäre doch kein Fehler?
C.
Ich glaube doch. Wir müssen die Leerheit erreichen, dürfen uns aber nicht daran
klammern, dass sie leer bleibt. Es kann sehr krampfhaft sein, leer bleiben zu
wollen. Leicht nimmt die Entleerung einen egozentrischen und eitlen Zug an.
B.
Leerheit bleibt nicht leer. Was Leerheit will, und was im Rahmen von Leerheit
geschieht, ist nicht leer. Wir leben in einer Welt, die voll von Leben ist. Die
Wirklichkeit ist nicht wüst und leer. Daher erleben wir als Menschen auch immer
wieder, dass es das Wieder-Gefülltwerden gibt nach der Entleerung. Das kommt
von selbst zustande. Würden wir uns dagegen wehren, würden wir einen Fehler
begehen.
In eins
Durch EINSSEIN findet man die Wahrheit.
Daher ist EINSSEIN die Methode der Wahrheitsfindung.
EINSSEIN ist der natürliche Zustand. EINSSEIN bedeutet dasselbe wie
"Wirklichsein". Ein Mensch erreicht Einsseins durch einen Sprung des
Bewusstseins. Einsseins wird durch Hineinspringen erreicht.
EINSSEIN steht jenseits aller Vorstellungen und Absichten.
EINSSEIN ist mit Lachen vergleichbar. Wer lacht, ist der Wahrheit nah. Lachen
macht den Menschen frei.
Ch'ing-ming sagt: "Befreit
euch von allem." (4)
"Die plötzlich aufblitzende Einsicht, dass Subjekt und Objekt eins sind,
führt euch zu einem zutiefst geheimnisvollen wortlosen Begreifen, und durch
dieses Begreifen werdet ihr zur Wahrheit des Zen erwachen." (5)
Huangpo sagte: "Es gibt nicht verschiedene Arten von Geist, und es gibt keine Lehre, die in Worte gefasst werden kann. Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung geschlossen."(6)
Gut ist die blitzschnelle
Erkenntnis, ohne Umstände,
sofort.
"In bezug darauf gilt diese
Unterweisung: was am Blitz das ist, dass es blitzt und man mit Ah! die Augen
schliesst - dieses 'Ah' ist die Unterweisung in bezug auf die Gottheit." (7)
EINSSEIN ALS VERSENKUNGSPRAXIS
Es geht um Durchführung, um Tat.
Eine Technik ist nicht verlangt. Die Technik besteht in nichts, beziehungsweise
in der Nichtanwendung aller Fertigkeiten, im Nichtgebrauch aller Funktionen.
Eine Empfehlung aus dem Katha-Upanishad lautet folgendermassen:
"Nicht mit Worten, nicht mit dem Denken, noch mit dem Auge kann ES erlangt werden. Nur wenn man sagt 'ES ist!'- wie sonst könnte man ES erfassen ?" (8)
VERTRAUEN
Einssein ist Vertrauen, setzt
Vertrauen voraus, geht mit Vertrauen einher.
Diese Versenkung i s t Vertrauen in etwas Höheres, aber nicht in dem Sinne,
dass man sich dem Höheren gegenüberstellt. Wer sich vom Höheren abgrenzt und
das Höhere in einen anderen Bereich projiziert als den gegenwärtigen Bereich,
erlebt nicht Einssein. Vertrauen meint Gegenwart, Vereinigung mit dem Gegenwärtigen.
DAS EIGENE WESEN: DAS SELBSTVERSTÄNDLICHE
Ich habe ein Wesen.
Ich vertraue diesem eigenen Wesen.
"Der in allen Wesen wohnt, doch von allen Wesen verschieden ist, den alle Wesen nicht kennen, dessen Leib alle Wesen sind, der alle Wesen von innen regiert, der ist der Atman, der innere Lenker, der Unsterbliche. Er ist der ungesehene Seher, der ungehörte Hörer, der ungedachte Denker, der unerkannte Erkenner. Es gibt keinen anderen Seher, keinen anderen Hörer, keinen anderen Denker, keinen anderen Erkenner ausser ihm." (9)
Gemäss indischer Lehre gibt es
ein Selbst jenseits des Ichs oder ein Selbst inmitten des Ichs. Das, was da
Atman oder Selbst genannt wird, ist nicht nur "Selbst" - eine
Leerformel -, sondern ist das Selbstverständliche, die Selbstverständlichkeit.
Es ist nicht so, dass wir das suchen müssen. Es ist nicht Ziel der Versenkung,
sondern das Selbstverständliche.
Das eigene Wesen wurde von Meister Eckhart zuweilen als "Fünklein von
Gott" bezeichnet. Dieses "Fünklein" von Gott IST Gott, und als
solcher Funke ist Gott in jedem Menschen anwesend. "Fünklein" ist
nicht in herabminderndem Sinn gemeint.
Wenn man Meister Eckhart besser kennt, weiss man auch, dass es nicht symbolisch
gemeint hat. Eckhart spricht von der selbstverständlichen Anwesenheit des
Höchsten in uns.
EINSSEIN ALS DER NATÜRLICHE ZUSTAND
"Der natürliche Zustand ist ohne Fragen und Zweifel. Gott schuf den Menschen, der Mensch schuf Gott. Beide riefen nur Namen und Formen ins Dasein. Tatsächlich wurden weder Gott noch Menschen geschaffen." (10)
Die Sammlung, die uns der Geist von selbst schenkt, wäre stark genug , um uns über das ganze Leben hinaus zu tragen, wenn wir uns darauf einlassen würden. In Wirklichkeit ist es so, dass die Vielzahl der Ablenkungen stärker ist.
"Die höchste Wahrheit ist so
einfach. Sie ist nichts anderes, als im Ur-Zustand sein. Das ist alles, was
darüber gesagt zu werden braucht." (11)
"Wenn die Gedanken absinken, erstrahlt es in all seiner Pracht." (12)
Gemeint ist das wahre Ich, die
wahre Identität.
Der vollkommene Mensch lässt alles an sich herankommen: das Schicksal, das
Altern, den Tod. Er begegnet allem mit Selbstverständlichkeit und
Nachgiebigkeit. Er bleibt stets wie ein Kind.
ERGEBUNG
"Liefern Sie sich Ihm und Seinem Willen aus, ob Er Ihnen erscheint oder entschwindet. Wenn Sie Ihn bitten, Er möge nach Ihren Wünschen handeln, dann ist das keine Hingabe, sondern Eigenwille. [...] Überlassen Sie alles ganz Ihm. Die Last trägt Er allein. Sie haben keine Sorgen mehr - Er hat sie übernommen." (13)
Besser also ist, statt mich zu
sorgen, mich gehen zu lassen. Ich lasse mich fallen. Ich lasse mich wie
gestorben sein (im Sinne von: ausgeliefert an das Wesen dieser ganzen Welt).
Der Mensch kann sein eigenes Wesen nicht durch Willen erreichen. Durch Absicht
entsteht eine Mauer. Nur bedingungslose Ergebung führt weiter.
"Ich legte mich in den Strom des Lebens und liess ihn über mich fliessen.
Ich gab alle Furcht vor der drohenden Krankheit auf; ich war vollkommen willig
und gehorsam. Es gab keine intellektuelle Anstrengung oder einen
zusammenhängenden Gedankengang. Die herrschende Idee war: 'Sieh an die Magd des
Herrn: mir geschehe wie du willst', und ein vollkommenes Vertrauen, dass alles
gut sein würde, dass alles gut w a r ." (14)
Die Frau, die diese Erfahrung wagte, wurde gesund.
"Sich-Ergeben" besteht in passiver Preisgabe. Ein Beispiel für die
vollkommene Ergebung ist der Schlaf. Im Tiefschlaf ist vollkommene Ergebung und
zugleich Versenkung.
"Es heisst, dass Tiefschlaf von Nichtwissen gekennzeichnet sei. In
Wirklichkeit herrscht im Tiefschlaf absolutes Wissen, ohne dass das Individuum
sich dessen bewusst wird, während das Nichtwissen für den Wachzustand
charakteristisch ist." (15)
"Der Tiefschlaf setzt sich im Wachzustande fort ; wir sind immer im
Tiefschlaf. Man muss bewusst in ihn eingehen können und ihn eben im Wachzustande
verwirklichen. Dessen gewahr zu sein ist samadhi." (16)
EINSSEIN MIT
"HERZ"
"Herz" ist das
Absolute. Hier ist Versenkung selbstverständlich. Das Herz ist der Ort, wo
alles entsteht, indem es von innen hervorbricht. Das Herz ist auch der Ort der
Rückkehr, der Ort der Einfaltung des Bewusstseins.
"Wenn alle Knoten des Herzens gelöst sind, dann wird der Sterbliche
unsterblich." (17)
Das Herz enthält eine Art "Hirn". Dieses "Hirn" ist
immateriell. Im Herz wird gedacht und entschieden, wir wissen nicht, wie es
kommt: Aber von d i e s e m "Hirn" aus werden wir gut geführt.
TAUFE
Das Einssein kommt über uns als
eine Taufe. Wie ist das Wort "Taufe" zu verstehen ? Es kommt von
Täufen, Abtäufen, Vertiefen. Das ist das Gegenteil von Erhöhung. Die Taufe ist
ein Sinken, ein Einsinken in den Urgrund.
Le Saux, ein christlicher Mönch, der sich nach den Impulsen der eigenen und der
hinduistischen Tradition auf den mystischen Weg begeben hat, schreibt über das
"Einssein als Taufe" folgendes:
"Die Erkenntnis dieser alldurchdringenden Gegenwart Gottes in meinem Tun
wie in meinem Sein, wie in allen Dingen, ... Satori, die Erleuchtung, ist die wahre
Taufe, diese neue Vision meiner selbst und der Welt, nicht eine intellektuelle
Erkenntnis, sondern eine abgrundtiefe, erdbebenartige Verwandlung des
Seins." (18)
Das Ich, das Heilige
A.
Das Thema heute ist das "Ich" und sein Wesen.
"Daumengross ist der Innere Mensch [Purusha], inmitten der Person. Vor ihm
ängstigt man sich nicht."(19)
"Daumengross ist der Innere Mensch, wie eine Flamme ohne Rauch, Herr des
Vergangenen und Zukünftigen. Er ist derselbe heute und auch morgen." (20)
B.
Hier sprechen wir nicht über unsere persönliche Ichheit, sondern über die
Tatsache, dass wir ein Ich haben, ein Ich sind und uns selber als Ich spüren.
Dieses Ich können wir betrachten. Wir können uns damit verbinden und darüber
meditieren.
C.
"Ich bin" heisst ebensoviel wie "ich liebe mich".
Oft wird das "Ich" in Zusammenhang mit Egoismus genannt, und dann
erscheint das "Ich" als Quelle des Üblen. Diese Betrachtungsweise
ergibt sich daraus, dass das "Ich" mit Begrenzungen, Eigenschaften,
Süchten, Lastern und Ängsten zusammen erlebt wird. So wird das "Ich"
nicht in reiner Form betrachtet, sondern wird in seiner Vermischung mit
Vitalkräften - etwa Selbsterhaltungstrieb oder Machttrieb - gesehen.
Richtigerweise wird man das mit Vitalkräften vermischte Ich und das reine Ich
aber auseinanderhalten. Eine Vermengung der Begriffe "Ich" und
"Trieb" führt zur Verwirrung, und diese ist Ursache für ein negatives
Menschenbild.
A.
Das Ich ist etwas Heiliges. Auch das eigene Ich.Betrachten wir es so, kommen
fruchtbarere Ergebnisse zustande.
Das Ich ist eine Erscheinung dessen, was "Selbst" genannt wird, und
von diesem letzteren wird ausgesagt, dass es "von selbst", also ohne
Beiwerk und Eigenschaften ist, zeitlos, absolut und "nahe" bei Gott.
B.
Ich bin ich: ein Zentrum. Davon gehen wir heute aus. Das Thema ist unerschöpflich.
"Ich bin ich." Das ist alles, was gesagt werden muss. Ichsein ist
unerschöpflich.
C.
Das Ich ist nicht etwas, das mir fehlt. Ich muss es nicht wünschen. Ich bin ich
und wunschlos. Im "Ich" wunschlos.
B.
Es gibt nicht mehr. Wenn Menschen zu sich sagen "Ich bin ich", ist
nicht viel beizufügen. Das Ich ist der Mittelpunkt des Kosmos.
A.
Ich glaube, das "Ich" geht im Tod nicht verloren.
"Ich habe [...] die existenzielle Entdeckung gemacht, dass Leben und Tod
nur verschiedene Stationen sind und dass das "Ich", das Erwachen,
weder an sie gebunden, noch durch sie begrenzt ist." (21)
B.
Von Egoismus, Begrenzungen, Süchten, Lastern, Trieben und Ängsten soll hier
nicht die Rede sein, sondern nur vom "Ich", dem Mittelpunkt, der uns
durchs Leben führt.
A.
Das Ich ist das Heilige. Ich - so wie ich bin - bin das Heilige, wenn ich die
Innenseite des Ichs meine, diese innere Weite, die ich noch nicht ganz kenne.
C.
Ichsein bedeutet, dass ich liebe. Das "Ich" ist immer in Liebe.
A.
Das "Ich", das ich habe, ist mein, es ist intim. Ich glaube. es ist
das Einzige, das es im Weltall gibt. Es ist persönlich und überpersönlich, es
ist punktuell und universell.
C.
Ich sammle mich auf mich, ich fühle mich glücklich dabei, aber ich kann nicht
verstehen, was ich bin.
B.
Ich hatte die Vision von hervorquellendem Licht. Dieses hervorquellende Licht
war persönlich für mich das Schöpfungslicht. Ich dachte: Die Quelle aller Dinge
ist hier. Zwar bin ich klein, doch was hier mein Erscheinen ist, ist gleich wie
das Hervorquellen des gesamten Kosmos. Ein Funken vom ganzen Kosmos quillt
soeben h i e r , in meinem Innern, hervor. Dieses Quellen, das ich bin, ist wie
das Quellen von allem überall.
Von dieser Vision ausgehend, kann ich sagen : Das Ich ist ein hervorquellendes
Sein.
A.
Ich sammle mich auf mich. Ich lasse mich auf mich ein, ich vereinige mich mit
mir selbst, ich tauche unter die Oberfläche. Ich geniesse das.
C.
Das Wort "ich" ist wie ein Mantra, ein Zauberwort. Ich rufe mich an.
Ich bin einzig für mich. So ist es für jeden Menschen. Dasselbe "Ich"
ist in allen Menschen. Aber jeder meint, er sei vereinzelt. Das "Ich"
ist EINES überall, in zahllosen Körpern.
B.
"Ich" ist ein sehr weiter Raum, weit und grenzenlos. Ich bin Liebe.
Ich bin in Liebe. Ich stosse nicht an eine Grenze, noch auf einen Grund. Auf
Konturen, Begrenzungen stosse ich nicht. "Ich" bin uferlos und
unergründlich... so weit, dass ich den Eindruck erhalte, selbst unendlich zu
sein.
A.
Das "Ich" ist im Herzen. Es ist Universum, Schatz, Edelstein.
"Ich" erscheint im Herzen wie ein Licht.
C.
Liebe ist die Energie des Ichs, dessen Ausstrahlung und dessen Intelligenz.
Liebe ist die Aura des Ichs.
A.
"Über die Wahrnehmung kann man es nicht suchen. Es ist jenseits des
Ungeschaffenen."(22)
Es ist eigenschaftlos. Man kann es nicht denken.
B.
Wer sich einlässt auf alle Dimensionen des Ichs braucht nichts mehr anderes. Im
Grunde genommen gibt es auf der ganzen Welt nichts anderes als das Ich.
Wahrscheinlich ist die ganze Welt ein Ichsein, nichts als Ichsein.
C.
"Es ist ein Ich, von dem alle Dinge ausgehen." (23)
Daher können wir auch nicht sagen, wo das Ich herkommt, noch wie es erzeugt
ist. Richtig ist : Es wird nicht erzeugt, es kommt nicht her. Es ist von selbst
da, schon vorher. Es ist das wirkliche Wesen.
B.
Unser Leben hier auf der Erde entspricht der Empfindlichkeit des wirklichen
Wesens. Wir haben Lichtempfindlichkeit, Schmerzempfindlichkeit, Geruchssinn,
Herzgefühl. Diese Empfindlichkeiten sind Eigenschaften des Ichs
(beziehungsweise des wirklichen Wesens), das sich in den Körper ausgestrahlt
hat.
Alle Sinnesfunktionen, alle Körperfunktionen sind ausgestrahlte Kräfte. Auch
das Denken ist eine ausgestrahlte Fähigkeit. Etwas fliesst auf zärtliche und
energische Weise in den Körper ein. Unser Leben, unser Lebendigsein, das kann
uns bei genauerer Erfassung vorkommen wie eine Berührung durch etwas.
A.
Im Grunde genommen ist das "Ich" ohne Sucht, ohne Abwehr, ohne
Körperbindung, ohne wirkliche Bindung an die eigene Person.
B.
Ein subtiler, zärtlicher Fluss von Energie ist es, der unserem Körper
Sinnesfunktionen gibt. Auf diese Weise wird das untere Ich, das im Körper
wohnt, zur Entstehung gebracht.
Das absolute Wesen strömt aus: als ICH und als KRAFT. Das absolute Wesen sucht
sich einen Ausdruck. Es will Augen haben und Ohren. Es will Körper haben, weil
es diese Dimension gibt, in der die Körper leben. Das absolute Wesen will in
diese Dimension hineinsehen. Daher fliesst es selbst in diese Dimensionen.
Es gibt keine tote Dimension. Alles lebt.
Nicht von aussen her, aus einem äusseren Kreislauf heraus dringt das Leben in
uns ein, sondern aus einem innersten Punkt heraus zuerst ins Herz, dann
vielleicht in dem Kopf und vom Kopf her abwärts ins Rückgrat. Man kann sich
einen Laserstrahl denken, ein feines Haar, einen Silberfaden, der aus einem immateriellen
Bereich hoch oben bis in die Tiefen des Körpers reicht.
A.
Die Sammlung auf "Ich" macht klar, dass die Welt Sinn und
Zusammenhang hat. Ich erfahre, dass alle Dinge miteinander zusammenhängen. Denn
genauso, wie ich aus einem grossen Ich hervorgegangen bin, sind alle Dinge aus
demselben Ich hervorgegangen.
Die "toten" Gegenstände haben ihren Geist, die lebenden Wesen haben
ihr "Ich". All das ist auf ein und dasselbe Wesen zurückzuführen.
C.
Was wir suchen, ist nicht weit fort und nicht unbekannt: Es ist das Ich, das
Eigene, das Eine. Dieses ist in mir wie auch in allen Dingen. Es ist im Kleinen
und in der intimen Nähe. Kleine und grosse Dinge haben von da her ihre
Existenz.
Der Funke, aus dem das "Ich" hervorgeht, ist überall derselbe Funke.
B.
Aber meistens bin ich mir nicht bewusst, wo ich herkomme und wer ich bin. Ich
bin von den Erlebnissen des irdischen Lebens fasziniert und geblendet, daher
ist das Wissen um das Absolute verlorengegangen.
A.
Nichtverstehen ist ein Zauberbann. Wir sind gebannt durch den Zauber der Welt.
Der Zauberbann besteht darin, dass wir mit den kleinen Einzelvorgängen
verbunden sind, die unser Körper wahrnimmt.
B.
Es ist eine Kraft da, die vom Urzustand ausgeht, den Urzustand selbst aber
verhindert. Daher sind wir auf der Welt. Und daher kann uns das Zurückgehen in
das eigene Wesen wie eine Errungenschaft vorkommen.
In unserer jetzigen Situation sind wir gezwungen, das Höchste zu verehren, als
ob es nicht ein Teil von uns selbst wäre.
A.
Beim eigenen Ich beginnt die Verehrung des Höchsten. Über mich selbst werde ich
sehend.
C.
"Dann ist Gott nicht mehr ein 'Er', über den die Menschen unter sich zu
sprechen wagen. Er ist nicht einmal mehr ein 'Du', dessen Gegenwart der Mensch
als ein Gegenüber erfährt, sondern vielmehr wird Gott hier ausgehend von der
Wahrnehmung seiner selbst, als ein 'Ich' entdeckt und erfahren, das 'ich bin'
(aham asmi) der Upanishaden, das "ehieh asher ehieh"(Ich bin, der Ich
bin) des brennenden Dornbuschs. Dieses 'Ich' ist nicht ein abstraktes Ich, das
ich von dem Du ableite, das ich zu ihm sage, sondern ein Ich, das ich in der
Tiefe meines eigenen Ichs wahrnehme." (24)
A.
Das EINE, Höchste, ist zur "Welt" geworden, ist zu bunten, schönen,
abstossend-hässlichen, wunderbaren und entsetzlichen Dingen geworden, ist auch
zu Leben geworden, zur Anwesenheit von Bewusstsein in unseren Körpern. Daher
heisst es wohl: "Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten." (25)
B.
Alle Dinge in dieser Welt kommen aus ICH BIN heraus. Es ist ein
selbstleuchtendes Ich, welches in uns lebt. "Es ist von nichts abhängig,
auf nichts gestützt, das von ihm verschieden wäre, weil es nichts anderes gibt
ausser ihm!" (26)
C.
"Ich bin unten, ich bin oben, ich bin im Westen und im Osten, ich bin im
Süden und im Norden, ich bin wahrlich diese ganze Welt." (27)
B.
Das eigene Ich, wenn man es spürt, ist Gott. Das Ich ist Gott, denn Gott ist
"ich". In diesem Sinn spiele ich die Rolle, die ich hier auf der Erde
habe.
A.
"Ich und der Vater sind eins." steht im Evangelium des Johannes. (28)
Das Ich ist die Tür; wenn jemand durchs Ich (das vollkommen reine) hineingeht,
wird er selig werden. (29)
C.
"In sich selbst hinabtauchen in die Tiefe seiner selbst, sein eigenes Ich
vergessen. Sich verlieren im AHAM (Ich) Gottes, das im Ursprung meines Seins
ist und des Bewusssteins, dass ich bin... nicht ich erreiche den Grund, der
Grund selbst offenbart sich, indem er dieses 'Ich' vernichtet. Ich kann nur
untergehen, aber wenn ich untergehe erwache ich : resurrexi et adhuc tecum
sum." (30)
B.
Es ist das Leben. Es lebt. Es führt uns.
Und weil es das Heilige ist, spiele ich gerne das Ich, das ich bin. Ich stelle
mich selbst dar und sammle mich dabei auf mich.
A.
Zuinnerst ist ein Funke, der nicht nach aussen dringt und der nicht empfangen
wurde. Ich lerne dadurch, dass ich in ihn zurücksinke.
B.
Das Ich wirkt aus dem Absoluten, wirkt hierher und bis zu uns hinein. Es
schafft. Es wärmt, glüht in Fleisch und Knochen.
C.
Es ist von selbst.
Will ich meine begrenzte Sicht verlieren, so muss ich mich in das Wesen
zurückziehen durch Entleerung von allem. Ich, in meinem Wesen, wohne jenseits
des Wassers am anderen Ufer.(31)
A.
Ich erlebe. Ich lebe. Ich erlebe ein Kommen und Gehen. Ich erlebe das Leben
ausserhalb von mir und das Leben in meinem Gefühlen. Ich erlebe das Wachen und
das Träumen, wohl auch das Schlafen. Ich erlebe Gewinn und Verlust.
Ich bin eine Flamme, deren Brennen ich nicht in Gang gesetzt habe. Ich verfolge
das Brennen dieser Flamme auf seinen Ursprung hin.
Nie aber werde ich wissen, wer oder was ich bin.
B.
Ein Mensch ist der, der er ist. Ein Mensch kann nicht mehr werden als das, was
er ist.
C.
Ein Mensch kann aber auch nicht weniger sein.
Gespräch mit Gott
VORBEMERKUNG
Dieses Kapitel weicht vom
bisherigen Schema ab. Es sprechen nicht Menschen untereinander. Hier spricht
Gott mit einem Menschen.
Es gibt Leute, die auf das Wort "Gott" allergisch reagieren. Dafür
gibt es verschiedene Gründe, die ich hier nicht diskutieren möchte.
Wenn ich dennoch "Gott" auftreten lasse, so geschieht es deshalb,
weil auf diese Weise etwas ausgedrückt werden kann, das in anderer Form nicht
ausgedrückt werden kann.
Erstens kann ich in dieser Form Gedanken über die Weltentstehung und - damit
zusammenhängend - über die Natur des Menschen äussern.
Zweitens geht es um die Darstellung einer besonderen Beziehung zum Absoluten.
Es geht um die Darstellung einer Rolle, in der der Mensch bescheidener ist,
sich unterordnet, anbetet, verehrt. Es gibt Gefühle, die ein Mensch nur
gegenüber einem personifizierten Absoluten - also Gott - haben kann.
Bei der Geisteshaltung, die hier dargestellt wird, operiert der Mensch nicht
mit dem Intellekt, sondern erlebt aus einer tieferen, emotionalen Schicht
seiner selbst, in der er sich treiben lassen kann bis zur Hingabe hin, wodurch
ihm erst eine andere Dimension eröffnet wird.
In diesem Kapitel wird daher weniger über Gott an und für sich ausgesagt als
über den Menschen und dessen Fähigkeit, sich Vorstellungen über das Höhere zu
bilden und sich daran hinzugeben. Es geht um etwas Nahes in diesem Kapitel oder
um etwas Praktisches: Es geht um eine(eine mögliche) Beziehung des Menschen zum
Höheren und Höchsten. Es geht darum, diese Beziehung zu vertiefen durch Fragen,
mutmassliche Antworten, durch Äusserungen des Verlangens, des Klagens und
Bittens.
Nach diesen Erklärungen, die auch eine Einladung an Atheisten darstellt, möge
der gute Gott zu sprechen beginnen.
Mensch
Sprich! Ich will versuchen, für Dich Worte zu finden.
Gott
Für euch Menschen ist es gut, euch auf euer Wesen zu besinnen.
Da ihr keine weiteren Kontinente mehr entdecken könnt und eure Erde genug
bereist habt, müsst ihr neue Tätigkeiten entdecken, die euch in unbekannte
Dimensionen führen. Eure Zukunft liegt im Aufstieg zu einem anderen
Bewusstsein. Bald werden auf eurem Planeten Menschen leben, die sich von euch
unterscheiden: Menschen, die sich selbst und die Wirklichkeit anders sehen.
Mensch
Du bist das Wesen meiner selbst und aller Dinge.
Gott
Solange du mich zum Sprechen bringst, bin ich nur ein Spiegel deiner selbst.
Ich existiere für dich, soweit du mich erschaffen hast. In Wirklichkeit habe
ich das nicht, was ihr Existenz nennt. Ich bin nicht.
Mensch
Und doch entsteht die ganze Welt.
Gott
Sie entsteht, aber sie entsteht auch nicht. Sie entsteht in einer Weise, als ob
sie nicht entstanden wäre. Ich mache, dass ihr Substanz für Substanz haltet.
Sie entsteht in jedem Augenblick neu. Alles entsteht in jedem einzelnen Moment
ganz neu, mit der ganzen dazugehörigen Vergangenheit und Zukunft.
Ich umfasse Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. In meinen Momenten ist die
Vergangenheit eurer Welt und die Zukunft derselben enthalten. Das Fortschreiten
der Geschichte, das bin ich. Ich bin der Ordnende. Ich bin stets derselbe ! In
jedem Augenblick bin nur ich. Es gibt nur immer ein und denselben Augenblick,
nicht zwei. Das glaubt ihr nicht. Aber das bin ich.
Mensch
Einzig-Lebender !
Du machst unsere Seelen, unsere Krisen.
Du schaffst die Verstrickungen.
Du machst die Fehler, die ich begehe.
Du dringst hier nicht vollkommen durch, scheint mir,
sondern lässt Lücken offen, schaffst Sünden, Unterlassungen, Schwächen und
Verirrungen, Unfrieden und Unglück!
Doch bald und ganz von selbst wirst Du für uns alles wieder zusammenbringen und
auch mich in Dich aufnehmen.
Gott
Die Welt ist mein Zauber. Ich habe mich in jedes Ding verzaubert. Ich bin stets
derselbe.
Mensch
Du bist stets derselbe. Aber ich nicht. Ich ändere mich. Ich muss mich bewegen.
Gott
Als Mensch bist du wie eine Geschichte. Du hast einen Anfang und ein Ende. Ich
aber bin nicht der Zeit unterworfen. Ich bin gestaltlos. Ich bin inmitten eures
Weltalls. Ich bin stets da. Ich bin so nah, dass du es nicht glauben kannst.
Ich bin dir näher als du dir selbst. Ich ruhe.
Mensch
Ich werde bewegt. Ich werde getrieben. Du magst ewig gleich sein, mir aber
erscheint die Welt doch stets von Augenblick zu Augenblick als um ein Weniges
verändert.
Gott
Besinne dich auf dein Wesen und das Wesen aller Dinge, denn alles ist eins mit
mir. Versuche nicht auf Kommen und Gehen, Sein, Gestalt, Form, Veränderung,
Vergehen der Zeit zu achten.
Mensch
Ich bin geboren worden, ich werde sterben. Ich habe hier eine Gestalt, eine
Form, bin Veränderungen unterworfen, erleide mein Schicksal. Ich bin nicht eins
mit Dir. Ich spüre nichts davon.
Gott
Du kannst es nicht spüren, weil du den Erlebnissen des Körpers folgst. Und wie
dein Körper eine Zeit für sein Kommen und sein Gehen hat, glaubst du nun
ebenfalls eine Zeit für dein Kommen und eine Zeit für dein Gehen zu haben.
Mensch
Du bist,
Du lässt Welten entstehen aus dir selbst,
oder nein:
Du bist, indem du Welten entstehen lässt.
Und darin bin ich, ein Spiegel deiner selbst, und erscheine so, als wären wir
zwei Dinge.
Ich bin ein Ding mit einem Anfang und einem Ende.
Ich bin arm, Du reich,
ich unbedeutend und sterblich,
Du aber in Milliarden von Leibern das Leben und die wahre Bedeutung.
Wie Du in meinem Körper Empfindungen kommen und gehen lässt, lässt Du
Empfindungen in Milliarden von Körpern kommen und gehen. Überall trittst Du
hervor.
Es beliebt dir, in all diesen Möglichkeiten zu sein. Du bist Mensch geworden,
weil es eine deiner Eigenschaften ist, Mensch zu sein.
Das erscheint uns als Wahnsinn.
________
Mensch
Hast Du Eigenschaften oder hast du keine ? Ich kann es nicht feststellen.
Hättest Du gar keine Eigenschaften, wie komme ich dann dazu zu leben?
Gott
Du kannst mich nicht mit irgendetwas vergleichen.
Mensch
Auch nicht mit dem Besten, was ich habe, meinem Fühlen und meinem Sein?
Gott
Ich strahle das aus, um es wegzugeben. Also kommen deine Gefühle, deine
Ekstasen, dein Sein von mir. Doch ich bin nicht darin. Du kannst mich nicht
besitzen. Ich bin anders. Du kannst mich nicht vereinnahmen.
Das weisst du, und es macht, dass du dich ohnmächtig fühlst.
Mensch
Aus Dir entstehen Sonnen, es entstehen Planeten. Aus Dir entstehen auch Seelen
und Menschen.
Gott
Ihr Menschen lebt nicht selbst. Was in euch lebt, lebt überall.
Ich mache das Leben in einem Moment. Ich mache den äusseren Rahmen und mache
euer Innenleben auf die gleiche Art. Das gesamte Weltall und euer individuelles
Leben sind nicht so verschieden wie ihr meint.
Mensch
Vielleicht bin ich eine Welle von Dir,
wie eine Welle inmitten von Dir,
also ein Nichts, eigentlich.
Dein Wesen hat mit Strömen zu tun, glaube ich. Es hat mit Wirbeln, Strudeln,
Wellen zu tun. Manchmal scheint es, dass dein Strömen gleichzeitig auf und ab,
kreuz und quer und durcheinander geht.
Ein anderer Mensch
Es hat keinen Sinn, dass du dir von den Energieströmen ein Bild zu machen
versuchst. Das Wunder liegt näher, finde ich. Denn ein Wunder ist es, dass wir
da sind, dass wir leben, empfinden, verstehen, erkennen.
Gott
Ihr seid ein Teil von mir, der sich selbst ins Leben ruft. Ich habe euch die
Möglichkeit gegeben, euch selber ins Leben zu rufen. Ihr habt in euch einen
Kern, mit dem ihr euch selbst
hervorruft.
So wie ich das Weltall und die Planeten hervorrufe, weil ich gestalten kann,
habe ich gemacht, dass ihr eure Existenz selbst hervorbringt, ebenso wie ihr
eure Gedanken und Meinungen hervorbringt. Ihr seid kreativ. Ihr könnt auch
Geister, Götter, Paradiese, Höllen hervorrufen.
Mensch
Trage ich Verantwortung für mein Schicksal? Wer bin ich, dass ich eine
Verantwortung tragen muss
Ein anderer Mensch
Ich glaube, so ist es nicht gemeint. Gott sieht dich nicht als ein Wesen, das
anders ist als er selbst. Er kennt nur das Einssein. Die Kraft, die du bist,
ist seine, ist er selbst. Seine Autonomie ist teilweise auf dich übergegangen.
Daher kannst du einiges selbst entscheiden.
Gott
Es ist kein Fehler, wie du bist. Deine Unvollkommenheit ist von mir. Ich habe
dich so geschaffen. Besinnst du dich auf das Wesen aller Dinge, dann findest du
den Ausweg aus dem Labyrinth.
Mensch
Ich brauche Erlösung.
Gott
Du hast sie im Verborgenen schon. Denn Ich bin anwesend. Auch wenn es euch
schlecht geht, solltet ihr nicht meinen, dass Ich abwesend bin.
Eure Welt ist für euch oft grausam. Aber achtet nicht nur auf das Äussere! In
einer tieferen Schicht eurer Erfahrungen kommt ihr in meine eigene Aura. Da
könnt ihr erkennen, dass meine Aura dem gleicht, was ihr "Liebe"
nennt. Liebe ist die Kraft, die ihr findet, wenn ihr zum Mittelpunkt vordringt.
________________
Gott
Liebe bewegt die Dinge. Liebst du, dann bewegt sich der Kosmos. Liebst du, dann
setze ich neue Kräfte frei.
Mensch
Das, worauf ich mich zurückziehe, ist nicht von mir. Du bist der Erschaffer
meines Herzgefühls, Du wohnst hier. Deine Anwesenheit bedeutet Liebe. Wenn die
Gedanken schwinden, bleibt diese Liebe allein zurück. Vielleicht bist dann Du
da und bist allein in deiner Gegenwart.
Gott
Ihr alle, nicht nur Venus, seid aus dem Schaum des Meeres geboren, das ich bin.
Ich bin wie ein Wind, und ich schaue zu, wie alles entsteht aus diesem Wind !
Ein Wind bin ich.
Ich bewege mich, daher kommen Wirklichkeiten zustande ohne Zahl. Sie sind wie
ein Schaum. Ich selbst halte mich als ein Nichts in allen Welten verborgen.
Mensch
Vor Dir werde ich zu Asche. Ich verschwinde, schrumpfe zu nichts.
Innen bist du das, was sieht in mir.
Aussen bist du das, was ich sehe.
Gott
Da ich EINER bin, gehört alles zusammen. Kein Ding ist isoliert. Alles berührt
sich und wirkt aufeinander ein. Auch der Boden, auf dem ihr steht, bin ich.
Auch die Einrichtungen, die ihr durch Technik geschaffen habt, sind aus mir und
mit meiner Intelligenz gemacht. Alles, was ist, ist mir gleich, auch ein jedes
einzelne Ding. Doch das könnt ihr nicht verstehen.
Warum, meinst du, spendet die Sonne Leben? Warum, meinst du, kann die Erde
Leben hervorbringen? Warum, meinst du, hast du Augen und ein Bewusstsein von
dir selbst? Woher, meinst du, hast du denken gelernt?
Mensch
Du hast mich begrenzt gemacht. Absichtlich? Warum nur? Was für ein Spiel! Ich
erkenne, dass Du die Begrenzung verleihst.
_______________
Gott
Mein Wunsch ist, dass etwas existiert. Also habe ich Begrenztes erschaffen. Ich
habe das Unvollkommene aus der Vollkommenheit erschaffen, indem ich
Begrenzungen geschaffen habe. Mein Wunsch war, Menschen zu erschaffen mit einem
Gesicht und mit Empfindung. Damit ihr auf der Erde eine Existenz haben könnt,
habe ich euch begrenzt gemacht.
Mensch
Ich sehne mich nach dem, was ausserhalb der Grenzen liegt, die ich habe.
Gott
Suchst du mich, so such mich nicht ausserhalb deiner Grenzen. Ich bin das, was
innerhalb ist. Ich bin die Grenze. Ich bin das, was dich begrenzt. Die Grenze
zwischen dir und mir besteht in einer Wand, die ich zwischen dir, deinem
Herzen, und mir gezogen habe.
Du willst ja leben auf der Erde, nicht wahr?
Haben wir uns nicht beide entschieden für ein Leben, das unterhalb des Himmels
stattfindet?
Mensch
Habe ich mich entschieden, hier zu leben? Lohnt es sich denn?
Gott
Ich bin mit dir. So lohnt sich alles.
Mensch
Und doch leiden wir. Wir sind mit Blindheit geschlagen. Wir nehmen uns selbst,
unseren Körper, unsere Nation, unsere Rasse, unsere Heimat, unsere Sprache, die
Erlebnisse unserer Jugend, unsere Familie, unsere Religion und Kultur wichtig.
Wir verstehen nicht, taumeln sinnlos durchs Leben.
Ein anderer Mensch
Ein Geschöpf soll nicht sein wie das Absolute. Es begann das Spiel zwischen
Unwissenheit und Wissen, zwischen der Seelenlosigkeit und dem Aufstieg zum
Leben. Die Welt kann nicht das Absolute in absoluter ozeanischer Form sein. Die
Welt soll das Absolute darstellen durch Form und Bewegung.
Gott
Ihr gehört nicht euch selbst. Ich habe euch entstehen lassen, damit ihr m e i n
e Geschöpfe seid. Ich bin jede Seele. Wo Seele ist, bin ich. Ich seid nicht
getrennt von mir. Ihr seid eine Art und Weise von mir zu sein. Ich spiele in
euch die Rolle, die ihr spielt.
Mensch
Du dringst ein durch den Atem, durch die Sinne und durch den Geist. Du
durchflutest mich. Oft ist meine Seele in der Dürre, und ich leide. Dann ein
Funke, ein Wort, ein Einfall..! Du trittst im Herzen auf, Du bist der Erfüller
der Sehnsucht, rührst zu Tränen, nachdem Du mich erweicht hast durch Einsamkeit
und Verlassenheit.
Gott
Du hast kaum einen Mangel. Such keine Entwicklung, kein Weiterkommen, keinen
Aufstieg, keinen Urgrund der Dinge und keinen Urgrund des Ichs.
Mensch
Von dir kommt die Nacht,
und die Nacht ist mit dir da.
Von dir kommt der Tag,
und der Tag ist mit dir da.
Mit dir geschehen die Bewegungen der Gestirne.
Du bist der Erschaffer der Körper.
Du bist der Bildner der Bildnisse,
der Zeichner der Gesichter,
der Verleiher der Charaktere,
Du bist der Erleuchter der Augen.
Du bist da und schwingst in allem mit, aber unerkannt hältst Du Dich inmitten
der Menschen. Du hältst Dich auch verborgen, wenn ein Mensch sein Sehnen nach
Dir aussendet.
Du, Herr aller Dinge, hast die menschlichen Herzen
erschaffen, um darin zu wohnen. Du hast die Erkenntnis im Menschen erschaffen,
um darin aufzublitzen.
Du bist ein Feuer, wo Du erkannt wirst.
Ein Abgrund, ein Schwindel,
ein Punkt vielleicht, ein Funke, ein Leuchten:
aber masslos, endgültig.
Vor Dir fallen alle Gedanken, alle Bestrebungen dahin.
__________________
Mensch
Ich habe immer gehofft, dass Du, Gott, erkennbar seist. Und ich habe geglaubt,
Dich zu erkennen würde meine Person verwandeln. Über mir habe ich das gesucht,
was mir Erfüllung hätte bringen sollen. Doch ich weiss, dass ich Dir nicht nah
gekommen bin.
Gott
Warum suchst du?
Ich habe mich nicht vor dir verborgen. Ich bin voll und ganz da, ich bin
unteilbar.
Mensch
Ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass ich nichts bin, dass ich zu nichts
werde und einfach vergehe. Ich weiss, dass ich vor Dir nur wie ein Traum bin.
Du bist in mir die Wirklichkeit, doch Du bist es in dem Sinn, dass ich nichts
bin und Du alles. So kann ich nur immer verlieren.
Gott
Eines Tages wirst du mir alles zurückgeben. Du wirst nichts zurückbehalten
wollen. Und es wird keine Frage mehr entstehen.
Mensch
Ich will versuchen, Dir keine Frage entgegen zu stellen, kein Bewusstsein, kein
Gefühl, keine Entgegnung und keine Erhebung.
Ich will Dich akzeptieren. Ich will akzeptieren, wie es ist. Ich lasse mich
sinken in den Schlaf und noch tiefer, geschehe mit mir, was wolle.
Gott
In dir, Mensch, bin ich in zweifacher Form : im Leben deines Körpers und in der
Mitte deines Ichs.
Wisse : Ich kleide mich in Seelen. Ich bin selbst in deiner Seele. Deine Seele
weiss es, aber du nicht.
Alles, was ist, ist mir lieb. Auch du bist mir lieb. Ich habe dich zu Leben
erweckt, weil es mein Wunsch gewesen ist, dich zu Leben zu erwecken. Und so ist
auch dein eigener Wunsch zu leben entstanden.
Du bist mir lieb. Du kannst mit mir ganz eins sein.
Mensch
Von innen heraus trittst Du in mich.
Von innen heraus dringst Du in alle Formen ein.
Von innen heraus erschaffst Du in jedem Moment alle Formen. Dein Wesen ist (für
uns) kaum ein Hauch. Ein Mensch, obwohl er fühlt, kann kaum glauben, dass Du da
bist.
Du allein weisst, zu welchem Ende das alles führt.
Du lachst und weinst hier.
Dir ist nichts fremd.
Gott
Ich gehe in dich ein und werde du. Inwendig von dir, Mensch, werde ich wie
wahnsinnig und unwissend. Das bist dann du. Ich werde in dir so, wie du bist.
Ich bin "ich" so, wie du "ich" bist.
Über dir aber bin ich gleichzeitig auch in wissender und wacher Form. Stets
lasse ich einen Geist über dir schweben, welcher den Überblick bewahrt. Dieser
geht nicht in deinen Körper ein. Er ist dein Wesen, dein Geist, er sieht alles.
Und dann bin ich in dritter Form in dir: formlos, wesenlos, als
"nichts".
Mensch
Du bist inmitten der Dunkelheit das Licht.
Inmitten der Lüge bist Du die Wahrheit.
Inmitten von Dummheit bist Du die Erleuchtung.
Gott
Ich kleide mich in Seelen und im Kleid eurer Seelen lebe ich auf der Erde.
Mensch
O Du, der Du Gegenwart erschaffst!
O Du, der Du den Traum nicht enden lässt, der die Welt in Bewegung hält.
Du verschenkst Dich.
Einmal nimmst Du alles zurück.
Du nimmst alles zurück, was Dein ist.
Gott
Ich gebe nicht. Ich nehme nicht. Du träumst von etwas, das du Gott nennst. Ich
bin ein Trauminhalt von dir. Und du bist der Träumer. Bedenk das!
Mensch
Jeder Moment ist geheiligt durch Deine Anwesenheit. Alle Leiber sind geheiligt
durch Deine Anwesenheit. Diese Gefässe und Wohnungen sind alle heilig. Du bist
die Ekstase, Reinheit, Besinnungslosigkeit. Du bist das Ziel aller Wagnisse,
aller Kühnheit, aller Bestrebungen und Bemühungen.
Ein anderer Mensch
Spann dich nicht so an. Lass gut sein! Das, was dich anzieht, ist gewöhnlich,
es ist längst da, ohne alle Bemühung.
Mensch
Ich ahne, dass es etwas Herrliches gibt, das ich vergessen habe. Es ist tiefer
als ein Traum. Ich möchte, dass dieser Traum in Erfüllung geht. Ich möchte,
dass das Herrliche zur Wirklichkeit werde!
Ein anderer Mensch
Was es wohl sein mag?
Mensch
Ich weiss es nicht. Unmöglich, es zu beschreiben. Es komme. Es komme heran. Es
sei. Es möge wirklich werden.
Gott
Du siehst mich überall: Ich spiele in eurer Welt Rollen. Wichtigtuer, Egoisten,
Schurken, Dummköpfe, Zauderer, Heilige. Helden. Arme Kerle. Was ihr wollt...
Ich kann nicht mich selbst spielen. Ich kann nur eine eurer Rolle spielen.
Mensch
Du bist ein Wesen hinter meinem Wesen.
Du bist tiefer als mein Schlaf.
Du nimmst mich in Deine Welt
und in Deine Person auf.
Gott
Ich lebe bereits in dir.
Ich rate dir : Sei einfach so, wie du bist. Du musst nicht suchen. Du musst
dich nicht ändern. Was du schon bist, ist auch dein Auftrag. Du hast schon
empfangen, was du brauchst und sein musst.
So wird dein Leben meines. Ich liebe dein Leben wegen seiner Besonderheit.
Deine Besonderheit ist eine Form von Kleinheit. Sei, wie du bist, und versuche
nicht, anders zu sein ! Ich will dich so, wie du bist.
Ich nehme teil an deinem Schicksal und erfülle dich mit deinem Charakter.
Mensch
Die Welt ist wie ein Nebel, scheint mir, der Dein Strahlen verbirgt. Was meine
Sinne wahrnehmen, scheint verschleiert zu sein. Ich bin von etwas geblendet und
sehe nicht hindurch.
Ein anderer Mensch
Sobald du die Wahrheit finden willst, wie sie wirklich ist, ist es der
göttliche Geist, der in dir erwacht ist.
Mensch
Ich lebe in meiner Haut und bin bewusst nur durch das Hirn. So entsteht wohl
das Bewusstsein von der irdischen Dimension. Doch die Haut und das Hirn habe
ich nicht selbst gemacht. Keine einzige Regung, keinen Gedanken, keine
Erkenntnis kann ich auf mich selbst zurückführen. Keine Faser meines Lebens ist
von mir.
Da ich nicht die Ursache meiner selbst bin, bin ich auch nicht wirklich,
scheint mir. Ich gehöre in allem, was ich als Mensch geworden bin, einer Welt
an, die aus Einbildungen besteht. Ich bin ein Trugbild.
Gott
Du bist kein Trugbild. Du bist eine Rolle. Und ich bin der Spieler dieser
Rolle. Die Wahrheit bin ich. Ich kleide mich in Seelen. Ich bin das Leben. Ich
bin das, was ist. Zugleich bin ich der Zeuge aller Ereignisse.
Ich habe dich und dein Schicksal in Gang gesetzt, aber ich verbinde nichts
damit, weder Fluch noch Absicht. Es ist meine Art, in allen Eigenschaften zu
sein, auch in denen, die du hast.
Ich bin das Wesen, welches entstehen lässt. Überall rund um mich herum ist
etwas entstanden. Ich bilde Bewusstsein, bilde Augen, Ohren, Meinungen,
Existenzen.
Du empfindest, weil ich empfinde, du merkst, weil ich merke, du siehst, weil
ich sehe. Ich freue mich an deinem Leben ! Deine Existenz ist begrenzt, aber
sie ist schön ! Ich wünsche, dass du heil bist und dich selbst magst. Magst du
dich selbst, magst du mich.
Ich bin in Planeten, in den Elementen, Feuer, Erde, Luft, Wasser, in Gebirgen,
Landschaften, Gewässern, in allen Bewegungen und Veränderungen und gleichzeitig
auch all das nicht, weil ich all das nicht wirklich sein kann in dem Sinn, in
dem ihr es wirklich nennt.
Es gibt Teile meines Geistes, die wollen Planeten sein, Sonne, Mond und Erden,
andere Teile des Geistes wollen Atom sein, andere Atomteile, andere Gewässer,
Feuer, andere Steine, andere Leben, das sich selbst erhält, Pflanzen, Tiere,
Menschen.
Zu recht ahnt ihr Menschen, dass ihr wichtiger seid als alle Dinge. Ihr ahnt,
dass ihr in euren Seelen eine Verwandlung durchmachen könnt und dass ihr in
etwas hinein versinken könnt, das über alles Sagbare hinausgeht.
Mensch
Ich suche noch immer und zweifle daran, dass das Ziel erreichbar ist...
Ein anderer Mensch
Du sorgst dich und bemühst dich. Deine Gedanken umkreisen nur immer, was du
suchst. Du kannst nicht lassen, nicht ablassen von allem.
Gott
Wo sich eine Seele mir vertrauensvoll zuwendet, kann ich mich nicht abwenden.
Dann ist die Einheit sofort möglich, in jedem Augenblick.
Mensch
Wir haben eine Wirklichkeit: Deine.
Am Ende erhebst Du alle Wesen in Dich, sodass sie sich vergessen.
Gott
Inmitten deines Herzens hast du einen Raum, und da ist nichts. Das bin ich. Du
findest in der Mitte deines Herzens das, was du über alles liebst.
Sobald du ganz in deine Herzkammer eingetreten bist, trittst du in eine andere
Wirklichkeit ein. Du nennst sie die wahre. Und sie ist tatsächlich besser als
ein Begriff und besser als alle Worte. Und schon bist du angekommen.
Such keinen Fortschritt und keine Entwicklung darüber hinaus.
Mensch
Ich suche den Fortschritt auch bei meiner eigenen Vervollkommnung und in der
Vereinigung mit Dir.
Gott
Versuche nicht, mich zu fassen. Ich habe keinen Körper und keine Begrenzung wie
du. Ich habe kein Wesen wie du. Falls du mich erkennen willst, so lass es in
einem Augenblick geschehen. Versuche nicht, auf die Dauer mit mir eins zu sein.
Ich bin unzugänglich, fremd, anders, unfassbar, beweglich, schillernd,
widersprüchlich für dich. Ich bin ein Nichts für dich. Denn du bist Geschöpf
und äusseren Kräften unterworfen, die dir den Geist verschliessen.
Mensch
Du kreist in meinem Blut. Du bist mir nah. Ich fühle, dass Du wirklich bist,
nicht ich. Mein Leben innen: unverständlich, eigentlich. Wie soll ich
begreifen, wie es zustandegekommen ist?
Die Existenz der Welt und der Dinge: Auch das alles letztlich unverständlich. Es
handelt sich um deine Werke. Ich verstehe sie nicht.
Gott
Im Prinzip habt ihr den Himmel auf Erden, allerdings in einer bewegten Form.
Mensch
Angesichts der schrecklichen Ereignisse auf der Erde - Katastrophen, Krieg,
Hunger, Krankheit und Tod - denken wir nicht an Himmel. Wir denken, dass Du ein
grausames Wesen sein musst.
Gott
Grausames, Mitleidiges, Liebevolles und Barmherziges geht aus mir hervor. Ich
bin Quelle des Schmerzes, des Verlusts, der Trennung. Ich bin aber auch das
Beste : euer Wesen.
Mensch
Aber das verhindert nicht, dass Menschen sich quälen!
Gott
Nein. Die Welt, in der ihr lebt, ist nicht nur Licht. Da mussten auch Kräfte
hinein, die ihr böse nennt. Ihr habt sie in euch. Darum ist kaum ein Mensch
vereint mit mir. Eure Leiber sind Tierleiber. Eure Seelen sind dämonisch. Ich
bin Herr vieler Welten und vieler Lebewesen.
Ich halte alles zusammen, gebe allem einen Sinn. Wenn ihr aus Selbstsucht in
die falsche Richtung geht, hindere ich euch nicht daran. Ihr werdet
zurückkehren müssen auf den richtigen Weg. Vertraut mir! Da alles bei mir
endet, wird alles gut. Ich kenne eure Taten schon, bevor ihr sie tut. Ich werde
sie vollenden. Ich kenne den Anfang und das Ende der Geschichte.
Sammelt euch auf euer Wesen. Horcht auf mich. Ihr seid frei, gut zu sein.
Mensch
Bleibt Schuld an der Seele haften?
Gott
Wenn ihr Unfrieden wählt, werdet ihr nicht Frieden finden. Wo ihr euch an Totes
hängt, könnt ihr nicht zum Leben kommen. Aber durch mich kann jeder Mensch
erleuchtet werden. Durch mich gibt es die Lösung von allem. Daher gibt es auch
jederzeit die Vergebung.
Mensch
Worauf beruht Erlösung?
Gott
Ihr seid alle überwiegend gut. Dadurch werdet ihr erlöst und werdet in den
Frieden eingehen.
Der andere Mensch
Ist es dir gleichgültig, ob ich leide ? Gleichgültig, wie es mir geht
Gott
Ich bin es, der erlebt, nicht du. Leb du, so gut du kannst und wie du es für
richtig hältst. Wo du trauerst, trauere ich mit. Wo du dich freust, freue ich
mich auch.
Der andere Mensch
Ich gehe unter. Ich komme nicht weiter.
Gott
Ich bin die Kraft. Ich bin eure Kraft, bin euer Mut. Lasst mich einstrahlen in
euch. Ich kann es hell machen in euch. Dann wird das Üble, das euch niederhält,
von selbst weggehen. Der Geist, den ihr anzieht, ist eure Wahrheit. Bedenkt
also, was ihr anzieht und verwirklicht!
Ich bin die Kraft und die Intelligenz, mit der ihr lebt und arbeitet. Genügt
das nicht?
Der andere Mensch
Nein.
Gott
Wenn das nicht genügt für dich, dann gib dich mir hin. Ich werde dich stärken.
Bitte um mehr Kraft, um mehr Inspiration, um neue Ideen!
Mensch
Im Alltag komme ich allein zurecht. Ich bitte um das,
was über den Alltag und das tägliche Brot hinausgeht.
Gott
Suchst du die Reinheit, so wirst du weiterkommen. Suchst du d i e s e s, so
werde ich dich immer wieder erleuchten, auch in einer Weise, die du nicht
erwartest.
Ich mache selbst alles durch in dir und in anderen Menschen. Ich sehe alles und
kann alles lesen wie ein Buch. Das Buch kenne ich: Ich bin es selbst.
Mensch
Du, Licht meiner Augen,
Du, geheimer Funke meines Daseins,
Du, Quelle meiner Illusionen und Wünsche,
Du, Ursache meiner Ichheit,
wann lässt du die Schranken fallen?
Trübe mein Bewusstsein,
lasse mich vergessen,
tritt hervor im Herzen!
Erscheine ganz!
|
ZWISCHENBEMERKUNG |
Gott
Sucht ihr Menschen mich, dann komme ich euch oft vor, als wäre ich ein Spiel
von verschiedenen Winden. Ihr jagt nach mir und findet kaum eine Spur von mir.
Meine Kräfte sind bewegt und wirken; in eurer Welt flackert das, was für euch
Sinn hat, manchmal wie ein Irrlicht. Ihr müsst euch ständig neu auf dieses
Irrlicht einstellen und seid in eurer Fähigkeit, euch zu bewegen und euch
anzupassen, überfordert.
Mensch
Nicht mein Herz hebt sich, sondern meine Existenz. Von oben gezogen, von unten
gestossen, dringe ich empor.
Gott
Gib mir nichts zurück. Ich habe dir nichts gegeben. Geh nicht irgendwohin. Geh
nicht in mich auf. Wirklichkeit ist überall.
Mensch
Ich denke Dich nicht.
Ich gebe Dir keinen Namen.
Ich weiss:
Niemand kommt herab.
Niemand steigt auf.
Mensch
Die Reise führt
an einen Ort, wo nichts ist.
Zu einer Person, die keine ist.
Am Ende verlieren wir alles.
Ich erwarte Dich.
Ich bin bereit für Dich.
Ich horche und warte auf das,
was den Namen trägt: HERR.
Ein anderer Mensch
Bedeutend sind wir alle, die Sein Gesicht haben. Wir wurden
herauskristallisiert aus Ihm heraus, um auf dieser Seite der Wirklichkeit zu
sehen ...
Mensch
Inmitten von Dir bin ich "ich".
Was immer ich tue:
Du tust es,
es geschieht an deiner Wirklichkeit
und im Rahmen Deiner Spiegelungen.
Du kannst mit Leichtigkeit
alles in Erscheinung treten lassen.
Aber alles erschöpft sich auch,
fliesst zurück, vergeht wieder.
Was zur Entstehung gelangt ist, kehrt in dich zurück.
Gott
Wenn ihr alles abstreift, dann geht ihr ganz in mich ein.
Mensch
Der Gedanke an Dich macht alles einfach.
Ich sehe mit Deinen Augen.
Ich bin mit Deinem Leben.
Ich atme Deinen Atem
und bin heil.
___________
Mensch
Als Mensch habe ich Mühe zu glauben, dass Du da bist. Und doch bist Du da.
Gott
Ich kenne deinen Körper. Ich gehe davon aus, dass dein Körper meiner ist.
Mensch
Deine Macht ist gewaltig. Du kannst mich vernichten und wirst mich vernichten.
Ich kann über nichts herrschen. Mein Leben ist eine Kraft, die vergeht. Ich
altere. Alles geht vorbei. Bald habe ich nichts mehr.
Gott
Ich bin du. Eins mit dir. Ich bin nicht dein Gegner, nicht dein Vater, nicht
dein Richter, nicht dein Vorgesetzter.
Ich bin auch in euch, wenn ihr schwach seid, ich bin auch dort, wo ihr
Verdunkelung empfindet. Wo ihr im Dunkeln steht, lasst es Nacht sein. Euer
Geist und eure Art sind kein Fehler. Auch wenn du tot bist, bin ich da und bin
dein. Was kommt, ist nicht Vernichtung, es ist Vollendung.
Ich bin die Vollkommenheit. Lass dich hingehen zu mir. Lass dich einschlafen in
mir.
Mensch
Ich opfere Dir meine Träume.
Meine Träume seien Deine Träume.
Mein Leben sei Dein Traum.
Gott
Dein Leben ist bereits mein Traum. Du kannst dich eins fühlen mit mir. Gibst du
deinen Geist auf und lässt du deinen Eigenwillen schwinden, bin ich da und
gestalte dein Leben. Aber du musst wach sein und mitdenken, damit es gelingt.
Mensch
O Du, in dem alles geheilt, alles erlöst ist !
in dem alles ist !
O Du, der Du alles bist !
Du bist so gut, so vollkommen,
dass ich in Dir vergehen will.
Gott
Einmal geht ihr alle in mir auf. Noch aber will ich leben in dir.
Mensch
Das Ziel ist: leben auf der Erde, aber aus einem einzigen Geist heraus, aus dem
EINEN heraus, von dem ich denke, dass Du es bist.
Gott
Wenn du willst, dann lehre ich dich das Sehen ohne Augen, das Denken ohne Hirn.
Ich zeige dir das Sein, welches ohne Verblendung ist, und du lernst das Leben
ohne Körper kennen.
Mensch, ich gestehe dir : Ich bin in dich eingegangen. Vollkommen, wie ich bin.
Ich bin vollkommen in dir. Ganz und gar.
Mensch
Möge ich nur das Einzige sehen, nur ein einziges Sein sein!
Möge Deine Wirklichkeit, die schon gekommen ist, als Einziges zurückbleiben
Du selbst mögest allein wirklich sein!
Gott
Ich vergegenwärtige mich in dir. Leicht könntest du erkennen. Ein Lichtstrahl,
ein Klang, ein Bild: Du kannst erkennen, dass ich die Situation erschaffen
habe, und dass nun alles zusammenkommt in diesem einzigen Moment.
Mensch
Du blühst hier.
Du blühst in allen Menschen.
Gott
Du atmest durch mich. Du spürst mich. Du siehst durch mich. Du fühlst mich.
Doch, du bist so geschaffen, dass sich in dir etwas wehrt gegen das Absolute.
Mensch
Du machst mich gesund und ruhig. Du begnadigst mich von Schuld und Irrtum.
Nichts ist da, welches mich hindert, mit mir selbst eins zu werden.
Gott
Ich bin die Erneuerung. Ich bin dein Ursprung. Du bist mein Mensch, weil ich in
dich einfliesse wie eine Quelle und dich aufleben lasse.
Ich komme in dich: Du lebst. Ich komme noch mehr: Und du erkennst. Mein Mensch
ist der Mensch, in dem ich erkannt bin
Mensch
Ich erkenne dich als die Quelle und das Leben.
Gott
Lass mich wohnen in dir. Ich habe mein Dasein bei dir.
Mensch
o Du,
er alles heilt, alles löst!
Alle Freude bricht aus dir,
alle Trauer stürzt zurück in Dich.
Du, Quelle unserer nutzlosen Hoffnungen,
Du, Ende all unserer nutzlosen Enttäuschungen!
Wir leben und tun, was wir können und müssen.
Wir denken, wir wissen, was wir sind,
aber eines Tages schmilzt alles dahin.
Wir verlieren alles,
und Du selbst bist es, der dasteht.
Alles, was kommt,
weist auf Dich hin:
Du kommst auf jeden Fall.
Denn Du bist.
Du bist wahr.
Gott
Bei mir bist du im Frieden.
Du stürzest nicht ins Bodenlose.
Ich bin es , der dich aufnimmt.
Ich nehme dich in mich auf.
Ich bin der Frieden.
Lass dich nur vergehen,
lass dich davontragen wie eine Daune,
dann kommst du zu mir.
NACHBEMERKUNG
Da ist etwas, das der Inbegriff der eigenen Vollkommenheit, der Inbegriff der Erfüllung, der Herrlichkeit und des Glücks, der Inbegriff von Frieden und Erlösung, geworden ist.
Wahrheit, absolute Wahrheit hat einen Ort bekommen. Dieser Ort ist vor mir, über mir, aber nah.
Abschluss
B.
Es kann nicht das Ziel sein, einen Gott zum Sprechen zu bringen und damit eine
begrenzte Vorstellung von Gott zu schaffen.
A.
Lasst es so bleiben. Wir wollen zur Ruhe kommen. Auch unser Gespräch muss
enden.
C.
Ja. Lasst uns schweigen! Im Schweigen geht auf, was wirklich ist. Das Bild von
Gott verschwindet. Das Höhere über mir verschwindet. Das Niedrigere unter mir
verschwindet ebenfalls
B.
Sehnsucht, Liebe, Bewunderung, Verehrung: Das kann uns nicht genommen werden.
Das werden wir auch wiederfinden. Doch jetzt darf Ernüchterung folgen. Ich
ernüchtere mich.
C.
Wir wollen uns auf unser Wesen besinnen, damit Frieden sich ausbreitet.
A.
Nein. Ich möchte mich auf nichts mehr besinnen. Ich möchte schlafen.
B.
Wie komme ich in die Wirklichkeit? Durch Denken sicher nicht. Durch etwas
Verrücktes, durch einen Schrei und das Verstummen danach?
A.
Ich werde gar nichts tun.
Ich mache mich nicht einmal mehr frei von allem. Es kommt der Schlaf, ich
klammere mich an ihn.
C.
Ich fühle, dass alles in Ordnung ist. Wir können den Frieden kommen lassen,
denke ich. Er breitet sich aus und macht uns zu etwas Ganzem.
A.
Ich schwatze nicht mehr lange, ich verstumme bald.
"Die Wahrheit ist zu gross, um gedacht zu werden." sagte einer.
Vielleicht kann man sie im Schlaf ausloten.
B.
Die Weisheit ist da. Doch warum werde ich immer wieder erregt, unzufrieden,
unerfüllt? Ich liebe, ich hasse; frag mich nicht, warum es geschieht. Tatsache
ist, dass es geschieht und dass ich darunter leide.
A.
Lass deinen Catull (32) auch schlafen.
"Ein Mensch ist zu Lebzeiten das Absolute," schrieb jemand. Im Licht
des Absoluten geschieht alles. Als das Absolute hasst und liebt der Mensch,
wird müde, schläft, träumt.
B.
Was wir aber vom Absoluten nicht gern annehmen, ist, dass es uns leiden lässt.
A.
Da ich zur Welt gehöre und hier erwacht bin, bin ich etwas. Das ist klar. Ich
gehöre dazu. Ich gehöre zum Ganzen. Was soll's? Am wichtigsten bei all dem ist,
was der gegenwärtige Augenblick bringt.
C.
Was bringt er?
A.
Das Vollkommene und Absolute ist bei mir zu Müdigkeit geworden. Alles ist mir
gleichgültig. Und wenn ihr nichts dagegen habt, gehe ich jetzt ins Bett. (geht
ab)
B.
Seltsam ist dieser Planet Erde und seltsam ist es, was darauf geschieht. Da
leben Pflanzen, Tiere und Menschen, irgendeine Kraft will das so. Aber es gibt
nicht nur Licht, es gibt auch Dunkel. Die Kraft dringt ein in unsere Welt und
gestaltet uns, aber sie löst auch alles wieder auf. Nicht nur Begreifen gibt
es, sondern auch Verlieren des Begreifens.
C.
Da ist einer müde. Seine Kraft ist erschöpft. Sein Erkennen verwischt sich und
Wissen vergeht. Worte bleiben aus. Kommt der Schlaf herbei, hält er nichts mehr
fest.
B.
Dann hat er keine Fragen mehr und fühlt kaum sich selbst. Wie erleichternd!
Kommt der Schlaf über ihn, dann lehrt uns der Mensch nichts mehr, dann hören wir
nur noch sein Schnarchen.
C.
Wir sind das Licht der Welt. So steht es geschrieben. Wir fallen herab wie
Schnee auf diese dunkle Erde, wir sickern in diese dunkle Erde ein. Wir
gestalten alles um, solange wir können, und wirken auf die Materie ein...
B.
Wirklich? ...und dann ? - Fällt dir nichts mehr ein?
Einmal hatte ich so etwas wie eine Erklärung für alles.
C.
Wozu eigentlich?
B.
Es kam mir folgendes Bild in den Sinn: ..
C.
Ich kann nichts mehr aufnehmen.
B.
... und so entsteht das Blühen. Der Planet Erde ist ein Blühen. Er blüht noch
immer.
C.
...ja, ja.
B.
Hast du gegähnt?
C.
Erzähl nur weiter. Du sickerst so schön in mein Bewusstsein herüber.
B.
... und so verstehe ich die Art unserer Existenz.
C.
...
B.
Lässt du mich auch allein? Was soll ich allein in dieser Nacht?
Nacht
Das, was ausserhalb von mir ist,
ist die Nacht.
Ich liebe die Nacht.
Wir sind Licht, ein zweifelhaftes Licht,
eines, das nur in einer schwarzen Nacht erkennbar wird.
Und was ist die Nacht, die uns hervorbringt ?
Sie ist DAS!
DAS! ist so nah.
Wir haben immer gesagt, dass es nah sei. Es ist in der Nacht die Nacht. Es ist
nicht jenseits der Nacht. Es ist Nacht. Es ist gross und schwarz.
Mein Wissen, mein Leben, mein Licht:
Es steht diesem Dunkel gegenüber. Aber es ist klein und verloren. Ein Licht in
der Nacht, das gleich wieder verlöscht. Die Nacht lässt aufblitzen, was ich bin
und lässt verlöschen, was ich bin. Sie braucht mich nicht. Was soll mein
Fünklein? Nie wird die Nacht hell werden. Sie braucht unsere Art von Helligkeit
nicht. Die Nacht ist gut und ist besser als mein Leuchten.
Bald verlösche ich auch.
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Anmerkungen:
1) Katha-Upanishad, I,26f.,
übers.Bäumer
2) Linji, S.69
3) Huangpo, S.73
4) Huangpo, S.104
5) Huangpo, S.104
6) Huangpo, S.73
7) Kena-Upanishad, IV,4, übers. Hillebrandt
8) Katha-Upanishad, VI,13, übers. Bäumer
9) Brihadaranyaka-Upanishad, II,15+23, übers. Bäumer
10) Ramana Maharshi, Gespräche, S.23
11) Ramana M.,Gespräche, S.95, und Suche S.109
12) Ramana M., Gespräche
S.275
13) Ramana M., Gespräche S.400
14) W.James, S.125
15) Ramana M., Gespräche, S.282
16) Ramana M., Die Suche, S.182
17) Katha-Upanishad, VI,15, übers. Bäumer
18) Der Weg, S.12
19) Katha-Upanischad, IV,12, übers. Bäumer
20) Katha-Upanischad, IV,13, übers. Bäumer
21) Le Saux, Der Weg, S.5
22) Katha-Upanishad, VI,8
23) Le Saux, Der Weg, S.63
24) Le Saux, Der Weg, S.69
25) Psalm 82,6. Vgl.auch Joh.10,34
26) Le Saux, Der Weg, S.64
27) Chandogya-Upanishad, VII,25, übers. Bäumer
28) Johannes-Evangelium, 10,30
29) In Anlehnung an Joh.10,9
30) Le Saux, Der Weg, S.12 f.
31) "Er wohnt jenseits des Wassers." sagt Pascal,
Note 292. Bei Le Saux taucht das Motiv "Am anderen Ufer"
verschiedentlich auf. Das Bild geht auf Joh.6.25 zurück :"Sie fanden ihn
am anderen Ufer."
32) Odi et amo, quare id faciam fortasse requiris.
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.